Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 2016 / 9. Teil: Stangerl am Feringasee

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Eigentlich, so hatte ich mir in der Challenge-Liste 2016 notiert, wollte ich mich am Feringasee mal dem offenen Training der Münchner Triathleten anschließen, nachdem ich vergangenes Jahr mehrfach dazu eingeladen worden war. Nur: Dieses Jahr höre und sehe ich nichts, davon, und ich bin auch zu faul im Netz danach zu suchen und überhaupt: Man muss ja flexibel sein.
Die Wetterlage des Sommers 2016 besticht nun ebenfalls nicht gerade durch laue Schwimmabende – besser, man bringt es hinter sich, bevor am Spätnachmittag wieder das tägliche fulminante Gewitter mit Starkregen aufzieht, die Katwarn-App zum Daueralarm nötigt und einem den buchstäblich Abend verhagelt.
Das ist auch der Grund, warum ich einfach mal allein zum Feringasee fahre. Der See will für 2016 abgehakt werden.r-feri2016-01
Wolkenverhangen ist der Himmel, der Wind weht kühl – von wegen 28°C, wie der Wetterbericht verheißt. Die Realität zeigt sich auch flexibel: Was heißt: 8°C weniger.
Nur wenige Leute sind am Ufer, eine ältere Dame schließt mir den Neoprenanzug und eklärt mir, dass sie wohl jetzt allergrößte Mühe hat, ihren Großneffen, der etwa acht Jahre alt ist, davon abzuhalten, ins Wasser zu gehen.
„Das tut mir Leid, dass ich da jetzt ihre Bemühungen zerstört habe“, antworte ich.
„Kein Problem“, erwidert sie. „Ich hab ihm gerade gesagt, dass Sie ja in dem Anzug gegen Kälter geschützt sind. Das ist was anderes.“

In der Tat ist es das. Das Wasser ist gar nicht so kalt. Es hat genau die Temperatur, dass man es vielleicht auch ohne Neo aushalten könnte, aber der Wind ist echt frisch. Brrrrr. Wenigstens bläst er die Wolken davon.r-feri2016-04-1
2015 war ich auch schon am Feringasee. Schon nach diesem ersten Besuch hatte ich notiert, dass ich den See noch einmal besuchen wollte. Dieses Mal möchte ich ihn voll ausschwimmen: Also in größtmöglicher Nähe am Ufer entlang. Dafür nehme ich in Kauf, dass ich bisweilen die Schwebstoffe, die sich abgesetzt haben, wieder ordentlich aufwirble, fast mit den Fingern durch den Kies fahre und auf der in den See ragenden Halbinsel erzürnte Blicke ernte.
Dort nämlich im FKK-Bereich lagert etwa ein Dutzend Nackerter. Und die mögen das nicht, wenn man vor ihrem Strand entlang schwimmt, so als gehöre er wirklich ihnen. Da wittern sie gleich Ungemach und Spanner, das habe ich im vergangenen Jahr an diversen Seen in München erlebt.
Nun sind aber angesichts der Wetterlage wenige Nudisten da, und die hüllen sich in Decken und Handtücher. Wer also Bedarf an der Beschau gut durchgebratener Mit-70er gehabt hätte, wäre wohl besser beraten, an wärmeren Tagen wiederzukommen. Ich ignoriere sie größtmöglich und sie mich auch.
Nachdem ich den südlichen Teil und die Halbinsel umrundet habe, verlasse ich den für Schwimmer vorbehaltenen Bereich und überschwimme die Bojenkette. r-feri2016-03Weiter geht es am Ufer entlang.
Im Lotussitz sitzt eine Frau regungslos auf einer Matte am Wasser und starrt in sich hinein – ein untrügliches Indiz dafür, dass die Großstadt nicht weit ist.
Ich kraule am Westufer entlang nach Norden und freue mich, dass der Nordteil des Sees, der eigentlich den Wassersportlern vorbehalten ist, wieder einmal komplett leer ist. Es klart auf.
r-feri2016-06Parallel zum Feuchtbiotop (ha ha ha) am Nordufer, das wenige Meter neben der Autobahn liegt, geht es zurück. Baumstangerl liegen im Wasser, Teichrosen sind im Weg. Besser, jetzt etwas auf Abstand gehen.
Neben mir huscht plötzlich etwas Braunes geschwind davon.
Eine Wasserratte? Ein Bisam oder Nutria?
Zum Glück nur eine Stockente.
Entlang der nördlichen Liegewiesen auf der Ostseite schwimme ich zurück. Eine Frau in Lila, die ich beim Luftholen wahrnehme, steht so unbewegt am Ufer, dass ich erst zwei Züge später feststelle, dass es keine Frau sondern ein Blutweiderich ist.
Sachen gibt’s.

Nachdem ich meinen Ausgangspunkt erreicht habe, schwimme ich noch mal los. Dieses Mal nehme ich die Kamera mit. Ein merkwürdig aus dem Wasser ragendes Stangerl, das ich am Nacktbadeufer gesehen habe, möchte ich näher in Augenschein nehmen.
Im flachen Wasser wurde ein Steinhaufen errichtet, eine Ast hineingesteckt, der mit weißblauem Flatterband verziert ist: Ein Mini-Maibaum, ein kühles, kleines Seegrab indianischer Art, eine heidnische Kult- und Opferstätte, bajuwarische Gebetsfahnen? Ich habe keine Ahnung, wozu das gut sein soll.
Aber mei, nett schaut’s scho aus, des Stangerl. Und schön grad steht’s auch. Grad so, wie’s sich gehört…r-feri2016-02-1

An Land gibt es bestimmt auch einige weniger schöne und weniger gerade zu sehen – aber das wäre ein anderes Thema, und das gehört definitiv nicht in dieses Blog.

r-feri2016-05

challenge2016
Challenge 2016:
410 km * Mindestens ein Fünfer * Feringasee * BDHSG-Leute zum Schwimmen treffen * Zustorfer Weiher * Goldene Stunde * Ammersee von A nach B * Austrian Open Water im Simssee * Chiemsee: Fraueninsel * Chiemsee Herreninsel * Simssee: Nur so * Hartsee * Kloster Seeon zu Wasser * Pelhamer See * Langbürgner See * Vollmondschwimmen *
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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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