Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Was soll das mit den Pfählen und wer eigentlich ist Jana?

Ein Kommentar

Parcouring ist ja auch so eine Sportart, bei der ich sehr gerne mal hinschaue, aber mit Fug und Recht von mir sagen kann: Ich bin zu alt für diesen Scheiß.
Seinen Höhepunkt erlebte der Trend vor rund zehn Jahren, als Extremsportler Sébastian Foucan, der aus dem Parcouring das Freerunning entwickelte, einen fulminanten Auftritt in James Bond 007: Casino Royale hatte. Gemütlich im Kinosessel zu setzen, während Foucan in der Rolle eines Ganoven von Mr. Bond quer durch die Straßen gejagt wird. Zu Fuß natürlich. Das ist eher so mein Ding… Aber selber rennen?
Ich doch nicht. Da halte ich es lieber mit dem einzigen Besucher, den wir diese Woche am Steinsee östlich von München antreffen.r-stein-16-ab
Zunächst schaut ja alles recht einladend aus, wie der See so gemütlich vor mir liegt. Als voll integrierter Deutscher breite ich zunächst mein Handtuch aus, reserviere am gähnend leeren Ufer einen Logenplatz und dann geht es ins Wasser. Ein paar Blätter (wird es schon Herbst?) treiben auf dem Wasser, ansonsten macht sich zu morgendlicher Stunde Einsamkeit breit.r-steinsee16-05

Inmitten des Toteissees befinden sich sechs Bojen im Abstand von rund hundert Metern – schätze ich. Dieser Linie zu folgen müsste also eine Distanz von 500 Metern ausmachen. Ich könnte also an der Bojenkette einfach immer auf und ab schwimmen. Sie sollen den ungeübten Schwimmern in Gefahr helfen. Eine vorbildliche und vorausschauende Angelegenheit; solche explizit zur Lebensrettung gedachten Festhalte-Bojen habe ich bisher bei keinem einzigen anderen See in oder um München gesehen…

 

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Aber statt dessen versuche ich wie üblich, in relativer Ufernähe eine größtmögliche Runde zu drehen. 1,7 km müssten das werden, kurz genug für eine weitere, aber ich bin kaum ein Drittel Richtung Südosten unterwegs, da stoße ich auf das erste Hindernis. Flachwasser.
Unvermittelt bin ich in einer Ecke des Sees, in dem das Wasser nicht mal mehr einen halben Meter tief ist. Da hilft keine schnelle Folge mehr an Kraulschlägen, um wieder in tiefere Regionen zu gelangen. Kraulen ist gar nicht mehr möglich, nicht mal mehr mit extrem angewinkelten Unterarmen. Also bringe ich mich brüstelnd aus dieser Zone. Parcouring mag ich nicht beim Schwimmen.
Keine 100 Meter droht weiterer Ungemach. Dutzende von Holzpfählen stehen unter Wasser. Aus dem Dunkel ragen sie bis etwa 20cm unter die Wasserfläche empor.
Zum Glück sind sie alle stumpf. Das erinnert mich an den Tatort Borowski und der coole Hund, in der ein Mann von einem Steg beherzt ins Wasser springt, direkt in eine Ansammlung eigens dort aufgestellter angespitzter Bambuspfähle. Eine feine Tötungsart – so ganz wallanderisch.
Nun springe ich ja dort nicht ins Wasser – ich schwimme lediglich. Trotzdem ist es nicht wenig schmerzhaft, gegen einen Rammpfahl zu knallen, den man wegen des trüben Wassers erst sehr spät sieht. Ich weiß nicht, ob die algenüberzogenen Pfähle Reste ehemaliger Stege sind oder warum sonst sie dort überall am Ufer ins Wasser gesetzt wurden.
Ich kann keine Struktur erkennen, nach der sie sich dort angeordnet sind. Aber sie sind von Menschenhand gesetzt, so glatt abgesägt, wie sie sind. Für die Anbringung von Reusen sind sie auch nicht geeignet. Was soll das?
Jetzt heißt es: Aufpassen und heraus aus der Gefahrenzone und bei der zweiten Runde weiten Abstand halten werde. Einmal anstoßen reicht.
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Hinter dem kleinen Badeplatz im Südosten hänge ich – wieder einmal – mitten in einer Kolonie gelber Teichrosen. Auch sie sehe ich erst, als ich mittendrin bin. Da muss ich jetzt durch. Hilft ja nichts.
Ich ziehe etwas nach rechts, dränge die lappigen Blätter beiseite und lasse endlich das Kraut hinter mir. Doch wenige Meter weiter lauert ein Teppich weißer Seerosen auf mich. Den aber habe ich gesehen, schwimme zwischen ihm und Ufer weiter und hänge plötzlich im Gehölz.
Wie in zahlreichen Seen und Weihern lässt man aus ökologischen Gründen umgestürzte Bäume einfach ins Wasser ragen – zum Teil aber befinden sich diese Baumleichen komplett unter der Oberfläche. Immer wieder versperren mir die Bäume den Weg. Ich umrunde sie, sie zu untertauchen trau ich mich nicht. Wer weiß, wie tief und weit die Zweige ins Wasser ragen? Außerdem ist mir der Neo zu teuer, um ihn durch irgendwelche blöden Äste möglicherweise zu beschädigen. Und Kratzer im Gesicht und an den Händen brauche ich ebenfalls nicht. r-steinsee16-02
Nach einer angestrengten „Parcouring“-Runde entledige ich mich zunächst meines Neoprenanzugs. Das Hinweisschild mit der Wassertemperatur (23°C) scheint wohl doch zu schwimmen.
Eine zweite Runde ohne Neo mit größerem Abstand zum Ufer ist zwar schwimmerisch einfacher, aber mit der Zeit wird das Wasser dann doch etwas frisch. Ich besuche schnell noch eine Boje, eine flüchtige Umarmung, auf Wunsch der Boje ein gemeinsames Foto, ein Sprint zurück zum Ufer, dann ist der Schwimm vorbei. r-steinsee16-04

Tags drauf, lässt ein Blick in den E-Mail-Briefkasten lässt Fragen aufkommen. jana-mikeWer ist Jana Kraemer? Und war ich gestern mit Tine nackt baden?

Sicher – ich war gestern im Wasser. Aber nicht baden. Sondern schwimmen.
Und nicht mit Tine. Sondern mit Herbert.
Und schon gar nicht nackt. Angesichts der Witterung und der Wassertemperaturen zumindest die Hälfte der Zeit im Neo. Und danach sittsam in der Adidas Jammer. Was also meint Jana?

Und wer ist eigentlich dieser Mike, den sie da angeschrieben hat?

Fragen über Fragen.
Gern würde ich die Mail an Mike weiterleiten – wüsste ich nur dessen E-Mail-Adresse. Gut möglich, dass Jana nämlich von Tine und Mike solche wunderbaren Nacktbade-Bilder gemacht hat. Und es wäre doch schade, wenn Mike um diese wunderbaren Bilder gebracht würde, die zu verschicken via Whatsapp angeblich nicht geht – was natürlich kolossaler Unfug ist.

Also Mike – melden Sie sich, dann schick ich Ihnen selbstverständlich den Link. Den haben Sie sich schließlich verdient…

 

PS: Vielleicht wichtig zu erwähnen. Der Parkplatz am Steinsee ist gebührenpflichtig (2 Euro), die freie Zufahrt ist durch eine Schranke blockiert. Am Kiosk wird – sofern geöffnet – Eintritt für das eingezäunte Areal verlangt.

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

Ein Kommentar zu “Was soll das mit den Pfählen und wer eigentlich ist Jana?

  1. Hallo Lutz,

    genau die gleiche Irritation zwecks der Entfernungen… hatte ich mit unseren Bojen hier auch…nur haben unsere nicht so schöne Schnüre zum festhalten…und auf „Kuschelkurs“ traute ich mich bisher auch nie…😅 schön, dass die Boje so auf „Selfies“ steht😂 cool geschrieben!😎

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