Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 2016 / 13. Teil: Schwimmen um des Schwimmens willen

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Zackig – schneidig – präzise – hoppla hopp.
Das kommt der bayerischen Gemütlichkeit nicht zupass „Nur ned hudeln“, grantelt der Österreicher, doch der Bayer steht ihm in nichts nach, wenn die Preißn mal wieder Stress und Hektik verbreiten. Und darum werde ich wohl letztlich nie 100% hier ankommen, so schön das Leben zwischen München und Chiemgau auch ist.
Aber es gibt Tage, da will man einfach mal weiterkommen. Weiterkommen mit der Challenge und weiterkommen mit der eigenen Statistik.
Da das Wetter ein Einsehen mit mir hat und sich als „heiter bis freundlich“ präsentiert, nehme ich mir heute vor, von Felden zur Herreninsel und zurück zu schwimmen. Das ist der „Schwimm zum König“, den ich bereits vor zwei Jahren absolviert habe. Damals mit Herbert und damals mit Begleitboot. Heute mach ich das allein – nur die Boje und ich.bkini-16-02
Zack zack muss es gehen, und das heißt:
Zack zack mit dem Auto nach Felden, ab ins Strandbad, raus aus den Klamotten, rein in den Neoprenanzug, rein ins Wasser und rüber zur Insel. Dort kurz verschnaufen, dann zurück und ab nach Hause. So ist der Plan, ich habe nicht allzu viel Zeit und über der Kampenwand sieht es bisweilen ziemlich schwarz aus – ich habe weder Lust auf Sturmschwimmen noch auf Gewitter im See. Das Wetter kann schnell umschlagen in dieser Gegend. Schnell braut sich was zusammen.
Unter den gelangweilt desinteressierten Augen einer Schwanenfamilie, die sich herausputzt, starte ich die nächste der mir selbst gestellten Aufgaben.bkini-16-01

Doch die Sorge vor einem Wetterumschwung ist unbegründet. Immer weiter reißt die Wolkendecke auf, die Spätsommersonne kommt durch. Ein paar Segler haben sich aufs Wasser begeben – viel ist nicht los an diesem Tag. Der Wind ist einfach zu schwach, die Boote Fahrt aufnehmen zu lassen.bkini-16-04

Das Wasser ist ruhig, lediglich als mich die Bugwellen des Ausflugsschiffs Stefanie erreichen, dessen Fahrrinne ich quere, schaukelt es ganz gemütlich. Da ich den Fahrplan kenne, bin ich vorbereitet und rechtzeitig losgeschwommen. Denn mit dem Dampfer möchte ich nicht kollidieren – mit diesem, dem kleinen, nicht, und auch nicht mit seinen größeren Brüdern, von denen die meisten in Prien starten.bkini-16-03Zügig mache ich Strecke, aller Zeitdruck fällt ab, jetzt geht es nur noch ums Schwimmen – nicht einmal mehr ums Ankommen. Viele Sätze des Schriftstellers John van Düffel aus seiner Gebrauchsanweisung fürs Schwimmen fallen mir ein, ein Buch, das ich mit großer Begeisterung gelesen habe – und ein wenig Neid, weil es so viele geniale Gedanken und Formulierungen beinhaltet, die jetzt aufzugreifen nur ein billiges Plagiat wäre.
Es geht nicht um das Ziel, es geht auch nicht um die Zeit – die Jagd nach beidem zu überwinden ist die eigentliche Herausforderung beim Ausdauerschwimmen. Schwimmen um des Schwimmens willen, um der Bewegung willen, um im Wasser zu sein, von Wasser umgeben zu sein. Lesen Sie es, ich kann es nur dringend empfehlen. Es liefert so viele neue Sichtweisen auf eine wunderbare Freizeitbeschäftigung – und schafft einen phantastischen gedanklichen Überbau.
Längst ist der Grund, den ich am Anfang im überraschend klaren Wasser noch sehen konnte, wieder einem undurchdringlichen Grün gewichen. Wie Speere stechen die Sonnenstrahlen durch die Oberfläche und dringen in die Tiefe vor, bevor ich sie such dort verlieren.
Ich könnte ewig weiterschwimmen. All der Wunsch nach Tempo, nach präzisem Zack zack verliert sich. Ich zähle nicht einmal mehr die Züge, schätze nicht mehr ab, wie weit es noch ist und schaue nur ganz gelegentlich um mich, ob vielleicht irgendwo ein Segler in der Nähe dümpelt, dessen Kurs ich schneide. Schwimmen – einfach nur schwimmen.
Erst, als ich wieder Grund unter mir sehe, weiß ich, dass ich an der Herreninsel angekommen bin.bkini-16-07
Vor mir der schmale Schilfgürtel, dahinter in paar Bäume, dann der Park des königlichen Schlosses. Leise wiegt sich das Rohr im Wind. Es ist wirklich schade, dass ich diesen Moment mit niemandem teilen kann, schade auch, dass mir jetzt niemand einen Schokoriegel reicht, den in die Boje zu tun ich natürlich vergessen habe.bkini-16-05
Auch ein Schluck Apfelschorle wäre nicht verkehrt. Ist aber niemand da, der mir eine anbieten könnte, also mache ich mich nach 10 Minuten, die ich am Ufer verbracht habe, auf den Rückweg. Trotz der Sonne, trotz des Neos fröstelt mich ein wenig.
Da tut Bewegung gut.
Diese eine, weswegen ich hier bin…
Diese eine, weswegen ich wieder kommen werde.
Immer wieder.
Und nicht nur zu diesem See.bkini16-08
 challenge2016


Challenge 2016:
410 km * Mindestens ein Fünfer * Feringasee * BDHSG-Leute zum Schwimmen treffen * Zustorfer Weiher * Goldene Stunde * Ammersee von A nach B * Austrian Open Water im Simssee * Chiemsee: Fraueninsel * Chiemsee Herreninsel * Simssee: Nur so * Hartsee * Kloster Seeon zu Wasser * Pelhamer See * Langbürgner See * Vollmondschwimmen *
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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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