Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Nicht ins Ischeland… bloß nicht!

2 Kommentare

Es war schon ein Kreuz mit meinen Eltern. So gern sie mit uns nach Hohenlimburg (die damals eingemeindete Nachbarortschaft von Hagen) ins Hallenbad fuhren, als wir Kinder waren, ein Besuch des Freibads wurde uns eigentlich immer abgeschlagen. Da konnten wir uns den Mund fusselig reden, wie wir wollten.
Die Liste der Gründe, die meine Mutter anführte, wuchs sich von mal zu mal mehr aus.
Drei Freibäder gab es in meiner Kindheit in Hagen. Das eine in Haspe am Hestert, das war ja viel zu weit weg. Da hätte man außerdem quer durch die ganze Stadt fahren müssen – viel zu aufwendig. Da ist man ja länger auf der Straße als im Freibad.
Das zweite am Hengsteysee war nicht viel näher. Eher selten, dass wir das mal besuchten. Da gab es schließlich kaum Parkplätze.
Und das dritte am Ischeland kam ja schon mal ganz und gar nicht in Frage. Erstens: Viel zu voll. Zweitens: Da sind all die vielen komischen Leute (wen immer meine Mutter damit meinte…)
Und als Drittes kam das Totschlagargument: „Ihr geht doch sowieso fast nicht ins Wasser sondern liegt nur auf der Decke auf der Wiese. Das könnt ihr zu Hause im Garten auch…“
Fertig.

Längst gibt es das Ischelandbad nicht mehr. Es ist dem Westfalenbad gewichen, einer Anlage aus Freizeit-, Sole- und Sportbecken. ische05Sehr beeindruckend, sehr großzügig, sehr schön gemacht – aber eben auch die Konzentration von vormals mehreren Hallenbädern der Stadt auf das eine verbliebene (das Hohenlimburger jetzt mal nicht mitgerechnet).
Denn weder das Bad in Haspe, noch das in Boele oder das marode Bad in der Innenstadt haben die Finanzkrise der Stadt überlebt.
Ist halt so, fahren wir, weil mal wieder in der alten Heimat, ins Ischelandbad (alte Namen verlieren sich eben nicht) und prüfen, ob noch immer so viele komische Leute dort verkehren, wie einst meine Mutter behauptete.

Mitnichten. Es verkehren nämlich fast überhaupt keine Leute dort, zumindest an diesem Tag nicht. Es ist nicht nur fast leer, es stehen auch ganze Fluchten an Schränken zur Verfügung. Den 157er suche ich gar nicht erst. Ich nehme den erstbesten: 416, ein Schrank, dessen Nummer ich mir nicht merken muss, denn er wird mir nicht ans Herz wachsen. Die Besuche in Hagen werden immer spärlicher.
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Vom Freizeit- wechsle ich treppauf-treppab ins Sportbecken, passiere mehrere Gruppen Aquagymnastik, die in den beiden Becken, an denen ich vorbeikomme, herumtollen.
Natürlich ist das Fünfziger-Becken durch Querleinen abgeteilt. Trotz Schwimmkursen und Vereinen bleibt aber reichlich Platz, 25m Bahnen zu schwimmen. Ich ziehe 140 davon runter – keine Kollision, keine Diskussion, kein Generve, keine Querschwimmer, kein Totholz, kein Treibgut, keine Kampfkrauler, keine hyperaktiven Triathleten – ein Traum.
Mich wundert nur, warum Beschallung durch die Halle dröhnt, die ich wahrnehme, als ich die Paddles anlege. Welcher Sportschwimmer hört schon auf Hintergrundgedudel?
Aber das ist es nicht. Es ist auch hier am Kopfende eine Aquagymnastikgruppe am Start. Mein Gott: Ganz Hagen tobt sich wohl turnend im feuchten Nass aus. Das ich das noch erleben darf…

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Nach den absolvierten Bahnen geht es zurück in den Freizeitbereich. Ich suhle mich in der Sole im Freien…ische03…und kraule ein paar Runden mal mit, mal gegen den Strom im nahezu menschenleeren Strömungskanal. Schier undenkbar: Abends gegen 20.00 Uhr und keine 20 Besucher im Freizeitbereich. Irgendwas muss falsch laufen in der Stadt.ische06Ähm nein. Halt stopp. Ich vergaß: Ich weiß ja, wo die alle sind: Kollektiv beschäftigt mit Aquagymnastik.
ische07Komische Leute sind das hier. Meine Mutter hatte doch recht – auch wenn sie es damals wohl anders gemeint hatte.
Mir gelingt ein missratenes Selfie (Nachweis: Ich war wirklich dort), dann geht’s schon wieder weiter. Als Erinnerung kaufe ich an der Kasse beim Gehen einen grünen Tauchring. Und ich weiß auch ganz genau, wen ich demnächst in Erding danach tauchen lassen werde…
Zwei Tage noch: Genug Zeit, auch noch mal das Hohenlimburger Schwimmbad zu besuchen. Dort, wo mehr oder weniger alles begann – dort wo ich als Schüler die erste, letzte und damit einzige Urkunde bei den Bundesjugendspielen erkämpftschwommen habe. Davon dann bald mehr.


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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

2 Kommentare zu “Nicht ins Ischeland… bloß nicht!

  1. „Kein Totholz und kein Treibgut“ – wunderbar ausgedrückt.
    Und diese Schwimmhallenbeschallung ist wirklich eine Beulenpest!

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