Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 2016 / 14. Teil: Das Maß ist voll… mit Nostalgie.

3 Kommentare

Das Maß ist voll – 410 Kilometer wollte ich im Rahmen der mir gestellten Aufgaben 2016 mindestens schwimmen. Das wäre dann heute erledigt. War es Zufall oder war es Schicksal, dass ich das heute ausgerechnet in dem Schwimmbad erledigt habe, in dem alles mehr oder weniger begann: Dem Hohenlimburger Hallenbad, in dem ich als Kind mit der Familie öfter schwimmen war, in dem ich aber dann als Gymnasiast meine gewählte Einzelsportartstunden hatte und erst in dieser Zeit wirklich den Spaß am Schwimmen entdeckte.
hohenl-01So versteht es sich von selbst, neben dem schwimmerischen Abstecher zu Westfalenbad  noch den Nostalgischen nach Hohenlimburg anzuhängen… wenn wir schonmal in Hagen sind.
Heute heißt die Halle Richard-Römer-Bad und ich muss gestehen, dass ich erst mal das Netz befragen musste, um zu erfahren, wer denn dieser Richard Römer eigentlich ist. Befremdlich erscheint mir, dass die Stadt Hagen das Bad nach einem – laut Wikipedia – Soldaten benennt. Aber Römer war 1. Hohenlimburger und 2. ein Lebensretter, dessen Taten mittelbar zur Gründung des DLRG führten. Ein Held also. Dann geht das in Ordnung.
hohenl-02Weit weniger in Ordnung präsentiert sich mittlerweile Bad an der Lenne. Es ist, als habe sich ein komatöser Schlaf über das Bad gelegt und nur noch der Zahn der Zeit nagt munter. Es ist schon nahezu unwirklich, wie viel von dem, was ich vor rund dreißig Jahren hier gesehen habe, noch 1:1 so weiter existiert.
Das Bad kommt mir nicht nur wegen der extrem reduzierten Öffnungszeiten vor wie ein sterbendes Tier in seinem Überlebenskampf.
Es geht zu Ende. So kommt mir das Lennebad vor.
Noch immer ziehen ein knappes Dutzend uralte Leute morgens ihre Kreise dort.  – vermutlich die Gleichen, wie in meiner Schulzeit. Und da waren die schon uralt. Wenn die nicht mehr sind, was nicht mehr allzu lange dauern kann, kommt vermutlich gar kein normal zahlender Gast mehr.
Aber noch ist es nicht so weit. Noch immer fallen die alten Leute rudelweise nach dem Schwimmen zum Mittagessen im Cafe Lennebad ein, lachen und lärmen wie eine Schulklasse und mischen den Laden so richtig auf.
Erinnerungen werden wach…
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Wie früher hockt ein Bademeister muffig hinter der Scheibe in seiner Kabine. Wie früher sind die Sprungtürme permanent gesperrt, wie früher geht die Uhr an der Wand erbarmungslos falsch.
Lediglich ein paar Eimer Farbe, neue Startblöcke, eine Schwalldusche am Beckenrand und eine winzige Rutsche zeugen von Veränderungen – ach ja: Und zwei Strandkörbe gibt’s jetzt, den legendären Lennestrand im Rücken. Aus selbigem mache ich schnell ein Foto – der Bademeister sieht es sowieso nicht, aber ich möchte auch nicht, dass die Grundschullehrer, die die Kleinen beim Toben beaufsichtigen das mitbekommen. Wer weiß, was die sonst wieder denken?hohenl-06
Es gibt doch noch mehr Veränderungen: Ich bilde mir ein, dass das Wasser im Becken früher viel kälter, unter der Dusche aber wesentlich heißer war.
hohenl-10-07Und die warme Bank – jener Fluchtort beim Familienschwimmen, wenn mir alles zuwider wurde – scheint auch nur noch den Namen zu besitzen, aber keine Wärme. Das habe ich auch ganz anders in Erinnerung.

Noch immer geben sich die Schulklassen die Hand – allerdings nutzen sie jetzt drei Bahnen und nicht nur zwei wie wir – und dann noch auf der anderen Seite. Dadurch überaus verwirrt kenne ich mich gar nicht mehr aus.
Höflich frage ich zuvor den Schwimmmeister, ob ich Paddle und Pullbuoy benutzen darf – andere Bäder, andere Sitten. Besser vorher fragen.
Der Mann weiß erst gar nicht, wovon ich rede, gestattet es aber, so lange niemand dadurch gestört wird, nachdem ich ihm die Geräte gezeigt habe.
Ich verspreche es hoch und heilig. Das ist aber gar nicht nötig – denn einige Rentner machen sich davon, als die Grundschüler lärmend die Halle erobern. Andere weichen ehrfurchtsvoll zur Seite, als ich los kraule.
Dass tatsächlich mal einer zum richtigen Schwimmen da ist, verwundert sie offensichtlich über alle Maßen. Das hat es wohl seit Richard Römer nicht mehr gegeben.
Nach dem Schwimmen, das so sehr mit Nostalgie aufgeladen ist, dass ich mich dauernd verzähle und war, dass ich kaum an das Erreichen des 410ten Kilometers denke, gönne ich mir einen kleinen Gang durch den Park neben dem Bad…
und dann hätten wir das Kapitel auch abgehakt.hohenl-04

 

 

challenge2016


Challenge 2016:
410 km * Mindestens ein Fünfer * Feringasee * BDHSG-Leute zum Schwimmen treffen * Zustorfer Weiher * Goldene Stunde * Ammersee von A nach B * Austrian Open Water im Simssee * Chiemsee: Fraueninsel * Chiemsee Herreninsel * Simssee: Nur so * Hartsee * Kloster Seeon zu Wasser * Pelhamer See * Langbürgner See * Vollmondschwimmen *
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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

3 Kommentare zu “Challenge 2016 / 14. Teil: Das Maß ist voll… mit Nostalgie.

  1. Einmal mehr ein sterbendes Bad. Leider gibt’s zu viele davon in Deutschland. Ich kann sowohl die Nostalgie, wir schwimmen auch heute regelmäßig im Bad unserer Kindheit, als auch das Bedrückende zum Verfall des selbigen, voll nachvollziehen. Vielleicht kommt ja irgendwann doch ein schwimmbegeisterter in zahlungskräftige Ämter und regelt das. Man darf die Hoffnung nie aufgeben.

    • Ich sehe da eher schwarz – weil der Bedarf auch immer weiter zurück geht…
      Zieht man mal Schulen und Vereine ab, die solche Becken benötigen, dann bleibt ja nicht mehr viel.
      Die meisten drängt es doch in die geschwungenen, 1,20m tiefen Spaßbäder mit Grotten, Strömungskanälen, Düsen…
      Da muss man nicht mal schwimmen können…

      • Ist das so? Also da wo sich „richtige“ schwimmer tummeln ist ja eigentlich eher Mehrbedarf, als das was angeboten werden kann und anderen Orts vergammelt alles. Schwierig das ins Gleichgewicht zu bekommen.

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