Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Bahn frei für die drei Muskeltiere

Ein Kommentar

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Musketiere – das Original

Um es gleich vorweg zu sagen: Das „l“ im Wort Muskeltiere steht dort mit Absicht. Als Kind hatte ich eine Abenteuerschallplatte mit der Geschichte der Musketiere und habe das „l“ immer mitgehört, was letztlich dazu geführt hat, dass ich von den Muskeltieren Athos, Porthos und Aramis erzählt habe: Allgemeines Gelächter allüberall und ich stand wieder einmal da wie blöd. Ich wusste nicht mal, warum die alle über mich lachen…

An dieser Stelle aber passt es ganz gut, das Wort aus der Versenkung meiner Kindheit zu holen. Denn nach absolviertem Schwimm beobachte ich drei Krauler, die sich nach und nach die Sportbahn erobern. Es herrscht Hochbetrieb, die letzten Feierabendschwimmer sind aus ihren Büros herausgequollen. Acht Menschen ziehen unermüdlich ihre Kreise, das Tempo der Schwimmer ist relativ ähnlich, daher geht es trotz der Fülle einigermaßen entspannt und friedlich zu. Schwimmen und schwimmen lassen – überholen und überholen lassen. Das funktioniert bestens, trotz der Enge.

Doch dann kommen die drei Muskeltiere: Durchtrainiert, markig und aufmerksamkeitsheischend stehen sie am Beckenrand bevor auch sie sich auf die Sportbahn begeben. Sie alle tragen Badekappen mit Aufdrucken diverser Triathlonveranstaltungen, auf den Kappen prangen handgeschriebene Nummern – das weist die als Teilnehmer dieser Veranstaltungen aus. Und das wollen sie auch in der Halle gewürdigt wissen.
Sie stellen sich am Beckenrand in Positur. Ich bin erstaunt, wie lange man dazu brauchen kann, die Kordel in der Badehose zuzuziehen und eine Schleife zu binden. Eine weitere halbe Ewigkeit nesteln sie an ihren Schwimmbrillen herum, dass die nur ja richtig sitzen, und dass sie Badegästen wie auch Schwimmern nur genügend Zeit geben,  sie zu bemerken. Der Auftritt vor dem Auftritt ist ja mindestens ebenso wichtig. Zuschauer von Boxveranstaltungen wissen, dass man solche Vorspiele gigantomanisch inszenieren kann; andere Vorspiele übrigens auch, aber das steht hier nicht zur Debatte.
Etwa genauso lang benötigen sie schließlich auch noch, ihre Bordcomputer, die sie am Handgelenk tragen, zu programmieren und aufeinander einzustellen. In der Zwischenzeit haben die Schwimmer im Wasser etwa acht bis zwölf Bahnen absolviert.

20141214_161633Nun drängt sich mir bei Männern mit Badekappen immer der Verdacht auf, dass sie diese nicht notwendigerweise  tragen. Man könnte ihnen unterstellen, dass die Kappe eine ganz andere Funktion hat, als den Schädel zu wärmen, die Haare aus dem Gesicht zu halten oder 1,7 Sekunden schneller zu sein. Vor allem Wettkampfkappen sind bisweilen die Lichthupen auf der Sportlerbahn: Platz da. Hier komm ich.
Und genauso benehmen die drei sich auch, kaum, dass sie im Wasser sind. Sie starten hintereinander und damit sind’s dann schon elf auf der Bahn. Jetzt ist es richtig kuschelig. Nun sind die drei Muskeltiere sehr schnell unterwegs, das bringt die bisher stabile Dynamik der acht Schwimmer gehörig durcheinander. Ab jetzt gilt nicht mehr schwimmen und schwimmen lassen. Jetzt herrscht der Verdrängungswettbewerb. Dabei ist das Ziel des Trios offensichtlich: Sie wollen die Sportbahn entvölkern.
Und dafür haben sie sich eine perfide Strategie ausgedacht:
Zu dritt klemmen sie sich hinter ein erstes Opfer, der vorderste klebt dem Schwimmer fast an den Fersen. Dichtes Auffahren – wie im Straßenverkehr.
Kurz bevor der Schwimmer den Beckenrand zur Wende erreicht, schert der vorderste des Trios zum Überholen aus, bleibt aber auf gleicher Höhe. Zur Wende kann der Bedrängte nun nicht mehr rüberziehen, er hat jetzt jemanden neben sich. Der nächste aus dem  Trio aber schließt sofort auf. So hat der Schwimmer auch keine Möglichkeit mehr, auf der Bahn, auf der er noch ist, zu wenden. Denn direkt hinter ihm ist ja einer. Egal, was er tut, bei einer Wende wird er mit einem von den dreien kollidieren. Es bleibt ihm nichts übrig, als am Beckenrand zu stoppen, bis die drei vorbei sind und dann neu einstarten. Der Schwung ist natürlich weg. Und die gute Laune bald darauf auch. Danach dann die Lust, und am Ende der Schwimmer selbst.
Ich beobachte das Ganze, drei bis viermal wiederholen die Muskeltiere das Spiel, dann gibt der erste der acht anderen Schwimmer genervt auf. Die drei nehmen sich einen weiteren vor, dann einen dritten. In knapp zehn Minuten haben sie auf diese Art drei Schwimmer von der Sportbahn gemobbt – Männer wie Frauen.
Ihr nächstes Zielobjekt aber lässt sich nicht wegmobben und sieht auch nicht aus, als ob er nicht trotzdem eine Wende macht… ein massiger, bulliger Mann mittleren Alters. Die unvermeidliche etwas heftigere Kollision wird er in Kauf nehmen. Ich kenne den Mann, er hat ein eher robustes Gemüt, das Körperkontakt nicht scheut.DSCF0388

Also ändert das Trio seine Strategie.
Ab jetzt werden 100m auf Zeit geschwommen. Umständlich positionieren sie sich am Beckenrand nebeneinander. Sie starren auf ihre Uhren, schwimmen vier Bahnen, saugen sich danach wieder am Rand fest und lesen ihre Daten aus. Dabei wird gefachsimpelt, was das Zeug hält. Zwei stehen zwei links und ein dritter rechts vom Startblock. Und damit ist die gesamte Beckenkante für die anderen Schwimmer, die wenden wollen, blockiert.
Die drei beobachten hingabevoll, wie die Schwimmer, die sich nähern, gar nicht erst zur Wende ansetzen, sondern genervt schon vorher umdrehen – was, wie jeder weiß, total dämlich ist.
Die Strategie geht auf. Zwei weitere beenden den Abendschwimm.
Jetzt endlich können die Muskeltiere wieder durchstarten. Und das machen sie auch…

Rücksichtslosigkeit und der Alleinnutzungsanspruch auf einer Bahn herrscht eben nicht nur bei den trockenhaarschwimmenden Omabrüstlern, Bahnqueren und Taumelkäfern. Das gibt es auch am oberen Ende der Leistungsskala. Natürlich sind nicht alle Triathleten und Sportschwimmer so, natürlich nicht. Im Gegenteil.
So ein aggressives Benehmen habe ich vorher noch nie beobachtet. Aber Trio bildet eine Ausnahme: Muskel-Tiere – zu mehr hat’s offensichtlich nicht gelangt.


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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

Ein Kommentar zu “Bahn frei für die drei Muskeltiere

  1. Einfach nur unfair und unsportlich. Aber eine gute Kinderstube ist eben nicht jedermanns Grundeigenschaft. Leider.

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