Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Weihnachten 2016: Stayin‘ Alive

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Eine Erkältung kommt drei Tage und bleibt drei Tage. Wie es dann weitergeht, ist abhängig von immens vielen Faktoren. Viele Männer sterben ja dann an dem tödlichen Männerschnupfen. Das ist hinreichend erforscht und thematisiert worden, das muss hier nicht erneut zur Sprache kommen.
Für alle anderen gilt: Eine Erkältung geht auch drei Tage. So will es das Gesetz.

klavier_bearbeitet-1bDa 2016 bereits dermaßen viele Koryphäen gestorben sind, entscheide ich mich für das Letztere: Ich lasse die Erkältung einfach wieder von dannen ziehen. Es wäre auch reichlich ungebührlich, mich kleines und unbedeutendes Licht in die Reihe der großen Leuchten stellen zu wollen, die es dieses Jahr dahin gerafft hat.
Pünktlich zum 1. Weihnachtsfeiertag ist die Erkältung soweit abgeklungen, dass ich es wage, wieder ins Schwimmbad zu gehen. Das muss jetzt einfach sein.
Zwar genießen wir das Privileg, weitgehend ruhige Weihnachten zu genießen, so dass eine Flucht vor eventuellen familiären Heimsuchungen mir erspart bleibt. Und auch das Volumen an Essen, das wir zu uns nehmen, ist noch immer im moralisch vertretbaren Bereich – was Völlerei ausschließt. Nicht zu vergessen ist dabei, dass ich ja während der Hochphase der Erkältung kaum Nahrung zu mir genommen habe, was die Hose mit einem angenehmen Seufzen quittiert. Sie fühlt sich nicht mehr ganz so durch die Wampe unter Druck gesetzt.
Ich bin nicht der Einzige, den es am Weihnachtstag hinaus treibt. Auf meiner mittäglichen Fahrt zum Schwimmbad treffe ich auf mehrere Radfahrgruppen. Offensichtlich ziehen die Pedalritter ihre Titansattel dem Platz dem Esstisch vor. Verstehen kann ich es ja.
Jogger joggen, ein Reiter quert die Straße durch den Wald – auch wenn das Wetter ein Nicht-Wetter ist, wollen sie wohl alle den Schädel lüften.
Beim Gasthaus Büchlmann im Nachbardorf hingegen drängt es dicht auf dem Parkplatz. So dicht, dass kaum mehr ein Moped dazwischen passen könnte. Drinnen dürfte es kaum besser sein. Wie kann man so etwas überleben?
Es ist halt Weihnachten.
Wie erwartet ist das Erdinger Schwimmbad in der weihnachtlichen Mittagszeit gähnend leer. Wer nicht zum Lüften draußen ist, ist eben im Gasthaus oder daheim am Essenstisch.
Ich nicht.
1,5 Kilometer fehlen mir zu meinem Planziel für 2016, dass ich von 410 auf 520 Kilometer hochgesetzt hatte. Das werde ich mir heute erfüllen. Und noch einen Extrakilometer. Mehr nicht.
Und dafür gibt es einen guten Grund. Ich bin quasi von der Intensivstation auf direktem Weg ins Schwimmbad. Das ist nicht ungefährlich. Hypochondrisch veranlagte Menschen lesen natürlich vorher in der Apothekenumschau. Dort steht: „Man muss es sich so vorstellen, dass in einer solchen Situation sozusagen gleich zwei Stressfaktoren auf den Körper einwirken“, erklärt Dr. Axel Preßler, Oberarzt am Zentrum für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der Technischen Universität München. Nämlich die Infektion selbst und die zusätzliche Anstrengung durch Sport. Wer dann weiter googelt, findet sich auf dem Weg zum Schwimmbad plötzlich beim Notar wieder, schnell noch das Testament zu überarbeiten. Zu gefährlich ist doch die frühzeitige Rückkehr zum Sport…
Also muss ich es nicht übertreiben, schwimme eine kurze Distanz und freue mich auf der 60. Bahn, mal wieder eine neue, persönliche Benchmark gerissen zu haben.klavier2_bearbeitet-1b
Alles ist gut – denke ich und lege die Paddle an, nehme wieder Tempo auf, als mich ein Hustenanfall auf der Bahn überrascht. Die Atmung gerät durcheinander, damit der Schwimmrhythmus, unter Wasser folgt ein Hustengebell, dass ich mich frage, ob sich meine Mundhöhle gleich erst mit dem Mageninhalt oder mit Lungenstückchen füllen wird. Oder gleich mit beidem…
Lassen wir das.
Die 2,5 Kilometer schwimme ich trotzdem. Nur eben langsam, mit vielen Pausen und großer Entspannung. Da ich ohnehin alleine auf der Bahn bin, fühlt sich auch kein schnellerer Schwimmer behindert oder blockiert.
Erst kurz vor Schluss kommt ein weiterer Schwimmer dazu. Aber auch zu zwei ist das alle heute kein Problem.
Die hundert sind mit Ach und Krach überstanden.
Ich lebe noch – Stayin alive eben. Und schwimmen tue ich auch noch.
Was will man mehr an einem Weihnachtsfeiertag?

Stimmt. Da wäre noch was: Das Weihnachtsgeschenk vom besten Bruder, den ich habe (ich habe nur einen, aber einen anderen würde ich auch gar nicht wollen), einzuweihen: Die besten Flipflops, die ich jetzt habe… und davon habe ich mehrere. Auch das ist Echte Liebe.schluffen-b

 


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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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