Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Buxenparade (Teil 10): Einkauf als Flucht und Frust

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Manchmal, wenn einem buchstäblich alles auf die Nerven geht, hilft nur noch Flucht. Flucht ins Wasser ist so eine Möglichkeit. Ein Sprung, Eintauchen und schlagartig ist Ruhe. Nur noch das Glucksen und Gurgeln des Wassers im Ohr, das immer rhythmischer wird. Mit jedem Schwimmzug. Bahn für Bahn wird der Kopf freier, kreisen die Gedanken nicht mehr, um das, was nervt und stresst, sondern nur noch um das, was man gerade tut: Schwimmen.
Schwimmen.
Schwimmen.
Leider kommt es häufiger vor, dass diese Flucht nicht möglich ist: Kein Schwimmbad, keine Zeit, keine Schwimmsachen dabei, Erkältung oder eine andere Unpässlichkeit – oder ein Gemisch aus allem dreien. Und dann gehe ich einkaufen: Vorzugsweise Garderobe und dort ganz besonders gern Badehosen. Ich weiß nicht warum, ich tue es einfach. Und so sammeln und stapeln sich Badehosen in meinem Schrank; weitaus mehr, als ein normaler Mensch braucht oder gar benutzen könnte. Aber sagen Sie jetzt ja nicht, ich hätte hier einen geheimen Fetisch. Denn erstens ist das nicht geheim. Hose für Hose wird in der Buxenparade vorgestellt. Zweitens ist das kein Fetisch, denn ich verbinde mit Badehosen keine Objektsexualität, also ist das auch keine sexuelle Devianz, also kein Fetisch.
Allenfalls ließe ich mir hier eine gewisse Sammelleidenschaft unterstellen. „Die muss ich haben…“ „Und die auch.“ „Und die noch.“ Oder eine gewisse Lust am Kaufakt.
Fast bin ich geneigt, Dr. Volker Faust zuzustimmen, der in diesem Fall wohl einen Kaufzwang diagnostizieren würde: „Unter Kaufzwang versteht man einen ständigen oder immer wiederkehrenden, zumindest phasenweise unzügelbaren Drang, Dinge zu erwerben, die man im Grunde nicht braucht, vielfach schon ein- oder mehrfach hat, sinnlos hortet oder verschenkt.“
Wenn Sie mich nämlich fragen, wie viele Badehosen ich derzeit besitze, wie lang also diese Reihe Buxenparade noch laufen wird, dann kann ich sagen: Ewig. Oder zumindest bis weit in den Sommer.

Dabei ist das hier gezeigte schwarz-goldene Stück nicht mal die neueste Hose in meinem Schrank, zudem warten auch wesentlich ältere warten darauf, hier erwähnt zu werden. Chronologie geht anders. Schon klar.
Die goldige Hose war so ein Frustkauf und wurde damit legitimiert, dass ich gerne mal aus dem Urlaub eine Badehose mitbringe. Was natürlich Unfug ist, denn die meisten Hosen kaufe ich daheim und nicht im Urlaub.
Die kleine Schwarze mit der Goldkante stammt wie die florentinische Globalisierungshose aus einem Decathlon-Geschäft. Erworben habe ich sie vergangenen Oktober in Hagen/Westf., wo ich mich eine Woche aufhielt, um gemeinsam mit meinem Bruder diverse Erbangelegenheiten zu regeln und den Haushalt meines verstorbenen Vaters aufzulösen. Urlaub war das freilich nur auf dem Papier.
Irgendwann im Lauf der Woche wurde es mir dann alles zu viel; ich musste raus: Raus aus dem Haus meiner Kindheit, raus aus dem Chaos aus Unterlagen und Dokumenten, raus aus einem Haushalt, der mittlerweile genauso tot war wie sein Besitzer. Raus aus den Erinnerungen, raus aus den Entscheidungen.
Zweimal war ich zum Schwimmen, einmal fuhr ich zu Decathlon. Ich wusste, ich würde eine neue Badehose kaufen. Egal welche. Irgendeine. Und wenn mir gar keine gefallen würde, dann wäre es eben das geringste Übel.
Da entdeckte ich die Speedo. Ein Auslaufmodell – und jetzt bitte keine anzüglichen Wortspielwitze über Auslaufmodell und Badehose. Die sind nämlich alle so alt und schlabbrig wie eine Speedo, die man hundertfach gewaschen hat.
Chlorresistent, reißfest und speziell für den regelmäßigen Gebrauch entwickelt. Was bei Decathlon heißt: Für regelmäßiges Schwimmtraining (mindestens 1 Mal die Woche). Und Eine Boxer-Badehose für alle, die eine längere Badehose bevorzugen.
Noch dazu dramatisch reduziert. Der Clou aber: Ein Exemplar dieser Hosen hing noch im Regal – in meiner Größe. Das ist selten, meistens findet man ja in solchen Fällen nur noch XS- und XXL-Modelle auf der Stange.
Mal ehrlich: Kann man da Nein sagen? Dr. Faust und sein Kaufzwang-Gerede hin oder her…xxx-gold-speedo

Häufig habe ich sie allerdings nicht benutzt. Irgendwie bin ich mit dem Tragekomfort nicht ganz so zufrieden, wie ich gleich beim ersten Schwimmen feststellte. Im Liegen ist die Hose ok, im Wasser aber fühlte ich mich nicht so besonders wohl in ihr.
Vielleicht ging es anderen auch so und vielleicht ist das auch der Grund, warum sie bei Speedo aus dem Sortiment verschwunden ist und die Restexemplare so günstig angeboten wurden. Ich weiß es nicht. Ist auch egal…

 

Die bisher veröffentlichtem Beiträge der Buxenparade:
Teil 01: Heute blau… morgen blau
Teil 02: Just looking good
Teil 03: Das schwarze Menetekel
Teil 04: Der Quotenbringer
Teil 05: Think global and pep your swim
Teil 06: Drei Streifen rot
Teil 07: Das letzte Mal in der Pussie-Bux
Teil 08: Jammern bis der Arzt kommt
Teil 09: Auch damit kann man schwimmen
Teil 10: Einkauf als Lust und Frust

Specials: Ein Speedo-Gastbeitrag von meinem guten Freund Alex


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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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