Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

It’s nor fair – it’s really not ok

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In den Tiefen des Entwürfeordners, aus dem sich dieses Blog gelegentlich speist, entdecke ich einen Beitrag vom Oktober 2015. Warum ich ihn damals geschrieben, aber nicht veröffentlicht habe, weiß ich nicht: Aber das hole ich jetzt einfach nach und lasse ihn von meinem Blog automatisch veröffentlichen, während ich selbst im Schwimmbad weile.

Was der liebe Herbert da mit mir treibt, kann man nur mit zwei Zeilen aus einem älteren Song von Lily Allen (genau, das ist die mit der quäkigen Stimme) beschreiben:

Oh, it’s not fair and it’s really not okay
It’s really not okay, it’s really not okaykalle2

Was werfe ich meinem Schwimmkumpel vor? Er verschaukelt mich.

Wieder einmal sind wir gemeinsam zum Schwimmen gefahren. Locker gleite ich auf die Sportbahn, während sich Herbert Richtung Vario-Becken verabschiedet. Er hofft, dort eine eigene Bahn für sich zu bekommen, weil es gerade so schön leer ist. Dass das ein Irrtum ist, sehe ich schon bald: Aus den Duschen quellen zwei Grundschulklassen mit Schwimmnudeln in die Halle. Was immer die Knirpse vorhaben, eines ist sicher: Sie werden im Vario-Becken zwei Bahnen belegen und die dortigen Schwimmer von ihren Bahnen vertreiben.
Derweil also in der anderen Halle der Verdrängungskampf im Gange ist, vertreibe ich meinerseits die einzige Schwimmerin von der Sportbahn. Und zwar unabsichtlich. Allein mein Zurechtrücken der Schwimmbrille am Beckenrand genügt, dass sie Leine zieht. Zuvor hat sie gemütlich Bahn an Bahn gehängt, immer zwischen Brust und Rücken wechselnd. Im restlichen Becken vergnügen sich nur drei andere Badegäste, die Frau taucht, kaum dass ich erschienen bin, unter der Absperrleine hindurch und brüstelt auf der anderen Seite weiter. Jetzt habe ich die Sportbahn allein für mich. Das war zwar nicht meine Absicht, von mir aus hätte sie bleiben können wo sie ist. Man kann sich ja wunderbar arrangieren. Sie aber wollte nicht. Und dann kann ich es auch nicht ändern. Unfair finde ich das nicht.

3.000 Meter schwimme ich zunächst – mal mit, mal ohne Paddle, mal mit, mal ohne Pullbuoy, mal mit beidem, mal ohne beides…
Das ist nicht besonders viel, aber ich achte heute besonders auf die Technik und probiere beidseitiges Atmen aus. Das war schon immer mein Problem, das Atmen nach rechts.
Und daran arbeite ich jetzt. Dreierzug ist angesagt. Das ist ganz schön anstrengend, ich muss mich regelrecht überwinden, auf der rechten Seite Luft zu holen.
Plötzlich sehe ich Herbert auf der Liege am Beckenrand sitzen.
„Was ist denn mit dem los?“ denke ich, frage aber nicht. Dazu reicht die Atemluft nicht.
Ob Herbert schwächelt?
Als ich das Wasser verlasse und auf der Liege neben ihm Platz nehme, erklärt er mir, wie kurzatmig er heute ist und wie kraftlos. Jetzt hat er keine Lust mehr. Da geht es mir auch nicht anders. Den Platz auf der Liege habe ich mir erkämpft. Ich stelle die Füße hoch und gebe mich meiner drittliebsten Leidenschaft im Schwimmbad hin: Dem MKW.

knief
Nach wenigen Minuten aber kommt Herbert, der mit sich heute gar nicht zufrieden ist, auf die Idee, doch noch mal ins Wasser zu gehen.
„Wenn Du noch einen Kilometer schwimmst, bin ich dabei“, fordert er mich auf. Eigentlich will ich nicht. Aber ihm zuliebe stimme ich zu, kündige aber an, nur noch 20 Bahnen zu schwimmen.
„500 Meter, mehr ist mit mir heute nicht zu machen. Ein Kilometer wird es ganz sicher nicht.“
Er willigt ein und eine Minute später sind wir im Wasser. Mir fehlt es zwar etwas an Schwung, aber da muss ich jetzt durch. Ich stoße mich kraftvoll ab.
Los geht’s.
Herbert folgt. Er schwächelt heute wirklich, so kenne ich ihn sonst gar nicht. Ich überhole, nach einigen Bahnen ist er hinter mir und irgendwann dann wieder vor mir. Ich rechne mir aus, dass ich ihn noch einmal werde überholen können. Dann habe ich auch die 20 voll und damit soll es gut sein.
Herbert aber bleibt plötzlich einfach am Beckenrand stehen.
Was soll das jetzt? Erst lockt er mich ins Wasser, danach stellt er mir in Aussicht, dass ich ihn vielleicht zweimal überholen kann, ich rechne alles aus und dann hört er einfach auf und bringt mich aus dem Konzept und meinen kleinen Triumph?

Oh, it’s not fair and it’s really not okay
It’s really not okay, it’s really not okay

Ich schwimme die noch fehlende Bahn, dann habe ich die 20 voll.
Herbert schnauft, als ich ihm sein „unfaires“ Verhalten augenzwinkernd vorhalte.
„Aber ich wollte doch auf jeden Fall verhindern, dass Du mich auf den letzten Bahnen überholst…“ entschuldigt er sich.
Ok. Das verstehe ich. Entschuldigung angenommen. Und jetzt raus aus dem Wasser und ab ins Dampfbad.
Weil wir es uns verdient haben…

 


 

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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