Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Theorie und Praxis

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Theorie

Drei Tage – drei Kommunen – drei Bäder.
Das klingt nach einem Plan für diese Woche. Im Detail bedeutet das:

Mittwoch: Nach Markt Schwaben, dort ins Hallenbad
Donnerstag: Nach München, entweder ins Schyrenbad oder Schwimmbad Giesing-Harlaching
Freitag: Taufkirchen/Vils, Waldbad, das heute aufmacht

Das bringt Abwechslung und Abwechslung bringt Freude – na ja: Meistens. Auf jeden Fall aber beinhaltet der Plan den Freibad-Saisonstart.
Für den Donnerstag erlaube ich dem Wetterbericht, für mich die Entscheidung zu treffen. Ist es einigermaßen akzeptabel, werde ich früh Feierabend machen und das Schyrenbad aufsuchen. Dort war ich noch nie, womit ich in meiner Challenge 2017 gleich den Besuch eines wildfremden Freibades abhaken könnte. Saut das Wetter ordentlich rum, bleibt mir immer noch das vertraute Hallenbad in Harlaching. Dann werde ich später Feierabend machen, und zum Bad fahren. So kann ich wenigstens die eine Stunde ausnutzen, in der beide Sportbahnen frei und nicht von Schulen oder Vereinen blockiert sind. Das verspricht, eine gute Woche zu werden, selbst wenn mein „Stammschwimmbad“ in Erding mittlerweile die Pforten geschlossen und das Freibad dort noch nicht geöffnet hat.
Die Praxis freilich sieht anders aus.

Praxis
Mittwoch:

Alles gut in Markt Schwaben.
Ich bin früh genug vom Büro aufgebrochen, dass ich entspannt meine vier Kilometer schwimmen kann, noch bevor die Sportbahn und noch dazu eine weitere von der örtlichen Volkshochschule okkupiert werden. Pünktlich nämlich beginnt abends die Aquagymnastik, und die 12 bis 15 älteren Frauen und der eine ältere Mann achten sehr genau darauf, dass ihnen nur keine einzige Minute entgeht. Darum sind sie alle rechtzeitig im Wasser und lauern darauf, die Absperrleinen zu versetzen und die Sportschwimmer von der Bahn zu scheuchen – noch bevor die Kursleiterin überhaupt erschienen ist.
Die meisten Schwimmer wissen das und takten ihre Trainingseinheiten entsprechend. Jeder will sehen, dass er fertig ist, bevor die Moderlieschen ausschwärmen. Fluchtartig verlassen alle das Becken, die meisten auch gleich die Schwimmhalle.
Auch ich schaffe mein Pensum. Ich könnte mich gemütlich auf die Steinbank setzen und dem bald folgendem Gratis-Showprogramm folgen. Aber so anregend ist das nun auch wieder nicht, und die Kursleiterin schaut immer etwas kritisch, wenn jemand so offensichtlich am Beckenrand sitzt und ihre Schützlinge beobachtet.

Donnerstag:

Ich wuchte die Sporttasche auf den Beifahrersitz, fahre ins Büro und versuche, dem Wetterbericht zu entlocken, ob ein früher Feierabend und das Schyrenbad angesagt sind oder ein später und ein Besuch in Harlaching.
In der Mittagspause aber bemerke ich, dass ich weder das eine noch das andere machen kann. Da ich kurzentschlossen eine andere Jacke angezogen habe, blieb mein Portemonnaie daheim an der Garderobe.
Trottel, kein Geld in der Tasche und auch die SW/M-Schwimmbadkarte nicht. Umsonst wird man mich weder in das eine noch das andere Bad lassen, schwimmen ist gestrichen. Von einer lieben Kollegin pumpe ich mir etwas Geld fürs Mittagessen an, aber fürs Schwimmen will ich das nicht. Irgendwie reut es mich, den vollen Eintrittspreis zu bezahlen (nachdem ich mir auch dafür Geld leihen müsste), nur weil ich meine Rabattkarte daheim vergessen habe.
Aus lauter Ärger über mich selbst bleibe ich bis fast als Letzter im Büro, ärgere mich mit Belegen und Statistiken, Erlösmeldungen, Schlussberichten und Formblättern herum. Aber dann ist das wenigstens erledigt – und das hat auch was Gutes. Wäre ich früher heimgefahren, ich hätte mich vermutlich im Garten ausgetobt und aus lauter Zorn einen Busch auf Bonsaigröße zurückgeschnitten.

Erst als ich im Auto sitze und längst auf dem Heimweg bin, fällt mir ein, dass ich meinen Geldbeutel mitnichten in der anderen Jacke habe. Stimmt: Ich hatte ihn ja gestern, als ich in Markt Schwaben das Schwimmbad verließ, in das Seitenfach meiner Sporttasche getopft hatte. Da müsste er auch sein – und das ist er auch, wie ich mit nur einem Griff überprüfe.
Verdammt, verdammt, verdammt.
Stunden später sitze ich auf dem Sofa und schnappe zufällig über Facebook auf, dass das Freibad, das anzusteuern ich mir für den nächsten Tag vorgenommen hatte, wegen der schlechten Witterung nicht am Freitag 05.05. sondern erst eine Woche später aufmacht.
Das macht mich richtig wütend. Ich hätte natürlich froh sein sollen, den richtigen Seiten auf Facebook zu folgen, damit ich das noch mitbekomme, bevor ich am Freitag vor verschlossener Tür stehe.
Ist trotzdem Scheiße… ich fluche eine Kette unflätiger Wörter herunter, wünsche den Verantwortlichen alles erdenklich Schlechte und hadere mit meiner Fähigkeit, Pläne zu machen. Wie soll ich das aber auch, wenn ich so boykottiert werde?
Jetzt muss ein B-Plan her: Nach München fahren? Ins Schyrenbad?
Wie kommt man dahin? Wo parkt man da? (Letzteres ist eine von meinem Vater geerbte entscheidende Frage). Google Maps macht mir ebenso wenig Hoffnung wie der Plan der Münchner Verkehrsbetriebe. Das Bad liegt einfach total bescheuert.
Ich schaue, ob noch ein anderes Freibad, das ich einfacher erreichen könnte, geöffnet hat, aber dem ist nicht so. Prinzregenten- und Michaelibad machen erst am 13.05. auf. Wie das Erdinger.
Eine Stunde suche und überlege ich, wo ich am Freitag schwimmen gehen könnte. Ein sinnvoller B-Plan will sich nicht ergeben. Noch einmal rufe ich die Meldung auf – schon allein, um einen ordentlichen Facebook-Hasskommentar darunter zu platzieren. Das macht man heutzutage ja wohl so.
Und da werde ich stutzig. Das Foto, das die Meldung ziert, zeigt doch gar nicht das Waldbad. Was ist da los?
Noch einmal lese ich, was da geschrieben steht: Upps.
Das betrifft ja das Dorfener Freibad und nicht das Taufkirchner.
Ich bin ein solch gottverdammter Idiot. Zu blöd, richtig zu lesen.

Freitag:

Natürlich hat das Taufkirchner Freibad geöffnet. Seit heute. Ein paar Gäste tummeln sich im Nichtschwimmerbecken, das Schwimmerbecken macht traditionell erst einige Zeit später auf. Das Ganze ist kein Problem, das Becken hat eine Breite von 30 Metern, was bei 100 Bahnen, die ich mir vornehme, auch 3 Kilometer sind. Damit soll es auch genug sein. Das Wetter ist nicht danach, dass ich noch länger bleiben möchte. Irgendwann bin ich ganz allein im Becken. Was eine Belohnung, was eine Genugtuung.Der Regen bleibt zwar aus, aber mit der Zeit wird es mir trotz des geheizten Wassers kalt. Ein guter Start in die neue Freibadsaison war’s trotzdem.

… und Pläne mach ich auch keine mehr. Es funktioniert ja sowieso nie.

 


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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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