Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 2017 (Teil 3): Drin ist drin – und nur darum geht es.

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Es ist doch jedes Jahr das Selbe. Da kannst Du noch so früh an die Kasse des Erdinger Freibades am ersten Tag der Saison kommen, ja, Du kannst dort auch der Erste sein. Bis das Drehkreuz entiegelt wird und wir Zutritt zum Freibad haben, sammelt sich dort ein knappes Dutzend Besucher. Und dann heißt es schnell sein. Sonst schaffst Du es nie, der Erste nicht nur an der Kasse, sondern auch der Erste im Wasser zu sein.
Da jegliche Verwendung des Ellenbogens, Drängeln und Rempeln natürlich ungebührlich ist (wir sind schließlich nicht beim Schlussverkauf), bleibt nur eine clevere Vorbereitung, um nicht wie 2016 komplett zu scheitern. Zwar war auch im vergangenen Jahr die Vorbereitung gut , aber eben nicht gut genug. Will sagen: Dringend optimierungsbedürftig.

Als erstes hole ich Freund Herbert ins Boot. Er fährt und sammelt mich morgens um 7.30 Uhr ein. Es wird höchste Eisenbahn, darum stehe ich pünktlich in der Einfahrt.
Gekleidet bin ich eher notdürftig und nur mit einer Garderobe, aus der ich in Windeseile herausschlüpfen kann. Normalerweise würde ich so nie auf die Straße gehen: Flipflops, keine Socken, Jogginghose (die ich auch ausziehen kann, ohne aus den Flipflops zu steigen), dazu ein weites T-Shirt und einen Pulli. Beides kann ich gleichzeitig ausziehen, das holt Zeit rein.
Alle Klamotten kann ich ratzfatz zusammengeknäult in den Spind stopfen. Passt.
Herbert gibt Gas. Wir dürfen nicht zu spät kommen. Nur wenn wir 10 Minuten vor Schwimmbadöffnung vor Ort sind, haben wir Aussicht auf die Pole-Position vor dem Drehkreuz, das pünktlich um 8 Uhr entriegelt wird. Wenn wir nur fünf Minuten später kommen, stehen wir am hinteren Ende der Gruppe und damit ist jeder Versuch, Erster im Wasser zu sein, zunichte gemacht.
So aber stehen wir ganz vorne und als endlich das Drehkreuz entriegelt ist, bin ich zwar nicht erster, aber zweiter. Der Konkurrent, so erkenne ich mit Profiblick, hat keine Chance. Er trägt: geschnürte Schuhe, Trekkinghose, Karohemd und Jacke. Bis der Typ umgezogen ist, bin ich dreimal im Wasser.
Fotos mache ich auf dem Weg, ob die was werden, ist heute egal. Für so etwas ist keine Zeit. Die Pole Position heißt noch lange nicht, dass man als Erster durchs Ziel geht. Wir sind schließlich nicht bei der Formel 1.

Der Gang aufs Klo vor dem Schwimmen wird gestrichen, das kann ich später nachholen. Oder lassen.
Sämtliches Gedöns, das ich am und im Wasser brauchen werde, ist in einer Plastiktüte. Die kann ich an den Beckenrand legen, ins Wasser springen und mich dann erst mit Kappe und Brille ausstatten. Paddles, Kamera, Trinkflasche (diesmal schon daheim gefüllt) und Pullbuoy kann ich ja immer noch holen.
Trotzdem wird es in der Zielgerade knapp. Eine Frau ist auf Augenhöhe, jetzt hopphopp
Siegesgewiss steuere ich auf Bahn 1, was ich sonst nie mache. Aber 1 ist 1. So ist das nun mal.

Die Schwimmerin nestelt am Beckenrand ihre Haare in die Kappe, sie greift nach der Brille, ein strategisch schwerer Fehler, vor allem, weil sich der Riemen verdreht. Sie verwickelt mich in ein Gespräch. Ein schwacher Versuch, eine allzu offensichtliche Taktik. Sie redet. Ich rutsche vom Beckenrand ins Wasser.

Hopp – rein – drin. Drin ist drin. Und nur darum geht es.

B I N G O
Erster

2,1 Millionen Liter Wasser – und ich. Mehr nicht. So soll es sein.
Während ich Kappe und Brille aufsetze und mit der Frau (sie noch immer draußen, ich im Becken) ein paar Worte wechsle, steigen auf der anderen Beckenseite drei ältere Männer ins Wasser. Keine Minute nach mir.
Mir ist völlig klar: Ohne die vielen Finten, die intelligente Planung und Vorarbeit hätte ich es auch dieses Jahr nicht geschafft. Heute aber bin ich nicht nur Erster an der Kasse – ich bin auch Erster im Becken.

Mission completed.
Ach ja – losschwimmen sollte ich auch mal…


 

challenge2017-kopieAlle Aufgaben im Überblick:
Erledigt: 5.000 am Stück, Fremdes Hallenbad, Erster im Erdinger Freibad,

Noch offen: Jahressoll 455 km / Ammersee von A nach B / Rollwende üben / 4 neue Seen (See 1, See 2, See 3, See 4) / Chiemsee-Querung / Chiemsee Extratour / Langbürgner See / Fremdes Freibad / Drei Badehosen wegschmeißen / Vollmondschwimmen / Goldene Stunde

 


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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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