Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Ein Hecht, ein toller

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… und schon geht sie wieder los, die Freiwassersaison. Endlich. Die erste Runde absolviere ich nach Feierabend im Wörther Weiher. Das hat gute Tradition, das ist eine Art Homerun. Obwohl ich einige Schwimmer im Wasser sehe, die gemütlich einen Kreis ziehen, und obwohl ich im Netz von anderen gelesen habe, dass sie mittlerweile ohne Neoprenanzug ins Wasser steigen, entscheide ich mich für die Pelle. Zum einen sind die anderen Weiher kein Maßstab – vor allem, weil sie vermutlich wesentlich kürzer als ich im Wasser verweilen. Zum anderen können die, die ohne Pelle längere Strecken schwimmen wollen, das gerne tun.
Ich muss das nicht haben.
Nach etwa 2.000 Metern wird mir an Händen und Füßen das Wasser doch langsam zu frisch, die Sonne verschwindet hinter den Bäumen, mir reicht’s.
Gelohnt hat es allemal, ich ärgere mich wieder einmal, dass ich überhaupt einem Gedanken Raum gegeben habe, statt zum Weiher zum Freibad zu fahren – bei dem Wetter…
Ich schwimme zurück zu der Stelle, an der ich meine Sachen am Ufer deponiert habe und hole meine kleine Unterwasserkamera. Nicht zuletzt, um in den einschlägigen Facebookgruppen Vollzug melden zu können, dass ich heute wieder geschwommen bin und das Ganze mit einem topaktuellen Bild garnieren kann, muss ich ein paar Selfies machen.
Also geht es mit der Kamera, die ich mir wie üblich an den Fuß angeseilt habe, noch einmal raus auf den Weiher.
Viele kleine Kaulquappen wuseln am Ufer zwischen den Steinen umher, ich nehme mir vor, sie bei der Rückweg zu fotografieren. Genau so ein Foto nämlich fehlt mir für ein anstehendes Projekt: Kaulquappen im Wörther Weiher.
Nachdem ich allerlei schlechte Bilder von mir gemacht habe, viele unscharfe, viele mit dämlichem Blick, Doppelkinn, Gesicht im Anschnitt oder Luftblasen in den Nasenlöchern, kehre ich zurück.

Jetzt noch die Kaulquappen.
Vorsichtig nähere ich mich den Steinen, die Kamera unter Wasser in der Hand am ausgestreckten Arm. Ich vermeide jede hastige Bewegung, halte die Kamera dann einfach auf die Steine vor den Tieren und löse eine ganze Serie von Bildern aus. Die Kaulquappen zeigen sich trotz allem ein wenig beunruhigt und ziehen sich in einer Nische zurück. Mit der Hand folge ich ihnen ganz langsam und vermeide ruckartige, schnelle Bewegungen. Flach liege ich bäuchlings auf den Steinen im Wasser und tauche immer wieder mit dem Kopf unter. Vielleicht ist das für einen Beobachter der Szene ein nicht weniger skurriles Bild…
Die meisten Bilder sind unscharf, eines ist ganz annehmbar geworden. Die Biester halten eben nicht still und die Verhältnisse sind für die kleine Kamera suboptimal: Zu Dunkel, zu viel Bewegung.

Ich will schon aufhören, da entdecke ich im trüben Wasser einen etwa 25cm langen, gelb-grünen Fisch. Bewegungslos verharrt er, als wolle er sich vergewissern, dass das, was er da sieht (nämlich mich) nicht nur eine Einbildung sondern real ist; und das diese riesige, dunkle Gestalt da vor ihm im Wasser für ihn kein Gefährder ist.
Wenn der schon so schön ruhig bleibt, warum nicht auch den versuchen, vor die Linse zu bekommen?
Ich bewege mich fast gar nicht mehr, nur mit dem Arm strecke ich ihm die Kamera entgegen. Keine Ahnung, was ich jetzt fotografiere und wie das hinterher aussieht, aber einen Versuch ist es wert.

Gesagt getan. Das Wasser ist arg trübe – viel ist nicht zu erkennen, wie ich bemerke, als ich daheim die Bilder vom Speicherchip auf den Laptop übertragen habe. Um den Fisch besser erkennen zu können, manipuliere ich wieder mal an den Bildern herum – wenigstens sieht man jetzt was. Gute Fotos freilich sind was Anderes.

Langsam kommt der Kamerad, von dem ich in dem Moment keine Ahnung habe, wer oder was er ist, aus der Deckung, schwimmt tiefenentspannt direkt vor meiner Kamera vorbei und verschwindet, nachdem ich ihn wenigstens noch zweimal fotografieren konnte, im Tieferen.

Natürlich illustriere ich später am Abend meinen FB-Post mit dem Fischbild, worauf Freund Alex sofort kommentiert, dass das ein Junghecht sei. Hätte ich auch selbst drauf kommen können. Bio? Setzen. Sechs.
Sei’s drum. Ich habe noch nie zuvor Hechte in freier Wildbahn gesehen. Jetzt schon. Es war großartig.
Es sind diese seltenen Begegnungen, die das Freiwasserschwimmen so einzigartig machen. Schon dafür lohnt das Seen- und Weiherschwimmen und das spätere Fotografieren und Verweilen im warmen Flachwasser am Ufer.
Was hätte ich mich geärgert, wäre ich ins Freibad gefahren und mir wäre das entgangen, auf das ich immer hoffe: Etwas vom Weiherleben unter mir wahrzunehmen.
Was sieht man da schon durch die Chlorbrille im Schwimmbadwasser:
Abgelöste Pflaster auf dem Boden und männliche Pubertiere, die am Beckenrand bedeutungsvoll mit der Hand in die Hose fahren und ihre Weichteile sortieren. Definitiv keine tollen Hechte…


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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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