Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Eigentlich bescheuert, oder?

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Das Thermometer zeigt 14°C, der Himmel ist grau – mal ist es trocken, dann wieder schüttet es wie aus Kübeln. Die meiste Zeit aber herrscht ein feiner Schnürlregen, dass man meinen könne, man sei in Salzburg (was ja auch nur knapp 100km Luftlinie entfernt ist).

Man muss also entweder bescheuert sein, oder Masochist, schwimmsüchtig, Wikinger oder von kolossalem Trotz beseelt, wenn man bei diesem Wetter ins Freibad geht. Oder eine Mischung aus diesen Komponenten.
Zwar ist das Becken auf angenehme 24°C Wassertemperatur beheizt, aber nach über einer Stunde hin und her schwimmen wird auch das kalt. Zumal ja die Rückenpartie des kraulenden Schwimmers immer wieder fast trocken gelegt wird.
Entsprechend halten sich die wenigsten der Schwimmbadbesucher besonders lang im Wasser auf. Die meisten sind längst wieder weg, bevor ich fertig bin – auch die, die nach mir gekommen sind. Vermutlich bin ich heute extrem langsam. Wenigstens kann ich heute den Genuss auszukosten, dass mir niemand – buchstäblich niemand – in der Bahn umher schwimmt. Jeder im Wasser verfolgt die gleiche Strategie: Auf kürzestem Wege von Beckenrand zu Beckenrand – kein Ratschen, kein Rumstehen, kein Springen, kein Paddeln, kein Brüsteln…
Zum Aufwärmen, wenn wieder eine Regenbö auf dem Rücken niedergeprasselt ist, hilft am besten unterzutauchen – vor dem Wasser unter Wasser zu fliehen ist auch eine absurde Strategie…
Links und neben mir krault bisweilen jemand, der mich eine Zeitlang zieht. Sonst würde ich wohl gar nicht fertig. Zu oft denke ich, warum ich nicht einfach abbreche und heimfahre. Aber Schluss mit dem Anstellen, andere schwimmen auch ohne zu quengeln – auch Bescheuerte, Masochisten, Schwimmsüchtige, Wikinger…


Da ich das Meiste zumindest für mich ausschließen kann, bleibt eigentlich nur das Attribut bescheuert über. Und das trifft es wohl auch am meisten. Denn vom ersten bis zum viertausendstem Meter bin ich heute nur von einem einzigen Gedanken beseelt: Fertig werden. Und dann sofort ab unter die heiße Dusche – bzw. Warmbrausen.
Eine heiße Dusche hätte ich natürlich auch daheim haben können.
Ohne schwimmen, ohne frieren, ohne Anfahrt, ohne Eintritt zu zahlen – und um Einiges komfortabler.
Ich sag doch: Eigentlich bescheuert, oder?
Oder auch nicht.


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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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