Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 2017 (Teil 4c): …wieder mal beim Kini

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Niemand weiß, was genau sich am Pfingstsonntag 1886 am Ufer des Würmsees, der heute Starnberger Sees, ereignet hat. Der 13. Juni 1886 allerdings endete dramatisch: Mit dem Auffinden der Leichen des bayerischen Königs Ludwig II und seines Arztes von Gudden im See.

Das Ende des Märchenkönigs war wohl auch der Beginn der Mythenbildung. War es Selbstmord? Ein Unfall? Mord? Die Spekulationen rissen nie ab, bis heute nicht, zu viele Ungereimtheiten gab es, zu viele Fragen. Die einen halten die Preußen für die Drahtzieher, die anderen den Prinzregenten Luitpold, den Onkel des Königs, der sich nach dem Tod Ludwigs endgültig an die Spitze Bayerns setzte. Insbesondere der Geheimbund der Guglmänner müht sich nach Kräften, den Mord zu beweisen, derweil Ludwig II. in Bayern verehrt wird wie ein Nationalheiliger, gefeiert und vermarktet wie ein höchst profitable Ikone der Popkultur.

Wieder mal also der Kini, dem ich mich schwimmend im Chiemsee ja schon öfter genähert habe. Als schnöder Bürgerlicher, noch dazu als Preuße (immerhin mit Münchner Großmutter) hinüber zur Herreninsel zu schwimmen, auf dem der Kini das Schloss von Versailles hat nachbauen lassen, war ein besonderes Vergnügen.
Und nachdem ich endlich mal wieder einen prominenten, bayerischen See auf die Liste in Angriff nehme und zum Starnberger See fahre, frage ich mich: Gibt es einen besseren Ort, sich endlich in die Fluten zu stürzen als in Leoni, südlich von Berg und dann am Ufer entlang zu schwimmen?
Ich möchte in Leoni, einem etwas abseits gelegenen Teil des Nobelortes Berg starten und dann am Ostufer hinauf nach Norden schwimmen. Das aber funktioniert nicht – die Reichen, Geldigen und Schönen haben mit Hecken, Zäunen, Mauern, Toren und Betreten-verboten-Schildern jeden Zentimeter See blockiert. Ist man nicht Gast im Hotel hat man alles andere als den in der bayerischen Verfassung garantierten freien Zugang zu den Schönheiten der Natur.
Den aber hat man ein paar hundert Meter weiter nördlich. Und so verlustieren sich heute die schnöde Bürgerlichen dort, wo einst die Wittelsbacher lustwandelten: Am Seeufer im ehemaligen Schlosspark.

Erstes Etappenziel ist also, nach Süden nach Leoni zu schwimmen – und dabei gleich mal durch die Liegeplätze schnittiger Segeljachten hindurchzukraulen, was gar nicht so einfach ist, wenn man sich nicht fortwährend orientiert, um nicht gegen den einen oder anderen Schiffsrumpf zu knallen.

Wenn man mich also nicht von der Landseite ans Ufer lässt, dann schwimme ich eben in schamloser Nähe zu den Sonnenbadenden an ihren Privatstränden entlang, glotze und fotografiere eifrig gut sichtbar.
Revoluzzern kann ich. Das konnte ich immer schon.

Kurz vor dem Anleger des Ausflugsboots in Leoni mache ich kehrt. Nun geht es rund 900 Meter zurück nach Norden. Dort steht das Gedenkkreuz im See, das die Fundstelle der Leichname Ludwigs und Guddens markiert. Noch immer ist das ein Pilger- und Wallfahrtsort, noch immer wird in der Votivkapelle, die zehn Jahre nach dem Tod des Königs errichtet wurde und die eine baulich ausgesprochene Hässlichkeit darstellt, jedes Jahr am dem Sonntag, der dem Todestag am nächsten ist, ein Gottesdienst für den verstorbenen Kini abgehalten. Vor kurzem erst war es wieder soweit.

Schwimmen darf man in diesem quasi heiligen Wasser natürlich nicht – schon gar nicht baden. Überhaupt ist der Aufenthalt hier grundsätzlich verboten, wie Schilder am Ufer die Besucher belehren. Vom Wasser aus aber sieht man sie nicht und so passiere ich die Stelle in preußisch-zivilem Ungehorsam.

Ein paar Meter weiter – sozusagen wieder im öffentlichen Strandbereich – wage ich eine Stellprobe. Das Wasser ist kaum knietief. Schier unvorstellbar, dass hier zwei erwachsene Männer ertrunken sein sollen, selbst wenn von Gudden nicht schwimmen konnte. Es sei denn das war so gewollt und als begeisterungsfähig für allerlei Verschwörungstheorien bin ich felsenfest davon überzeugt: Das war kein Unfall.

Die Taschenuhr Ludwigs, so lese ich, ist um 18.54 sehen geblieben, weil Wasser in sie eingedrungen ist. Dass die Uhr Guddens allerdings erst um 20.10 Uhr stehen geblieben ist (aus gleichem Grund) hat den Spekulanten immer schon viel Raum gegeben. Allen voran den Gugelmännern. Hat Gudden Ludwig und anschließend sich selbst umgebracht? Oder wurde der König quasi auf der Flucht gar erschossen?
Nun markiert das Kreuz – wie sollte es anders sein? – nicht die exakte Fundstelle, wie ich auf der Website des Fünfseenlandes lese. Die liegt ein paar Meter weiter. Dort hat ihn der Fischer Lidl gefunden. Auch seine Rolle in dem Drama ist übrigens höchst undurchschaubar. Woher hatte der Mann plötzlich so viel Geld. Schweigegeld?
Weiter geht es nach Norden, immer am Ufer des Schlossparks entlang. Etwa 500 Meter weiter hat König Maximilian II, der Vater Ludwigs, einst einen kleinen Hafen anlegen lassen, von dem allerdings kaum mehr was zu sehen ist.

Ich erhasche einen winzigen Blick auf das Dach vom Schloss Berg, den heutigen Sommersitz von Franz Bonaventura Adalbert Maria Herzog von Bayern, der der Urenkel des letzten bayerischen Königs ist. Ich hätte gern mehr gesehen, aber das Ufer ist zu dicht bewachsen.

Hinter dem Privatsteg der Blaublütigen kehre ich um. Der Himmel trübt sich – es könnte ein Gewitter kommen. Und das ist etwas, was ich gar nicht gebrauchen kann, wenn ich schwimme. Obwohl: Es wäre ja nachgerade ein Treppenwitz, ausgerechnet an jener denkwürdigen Stelle vom Blitz im Wasser zerrissen zu werden.

Kurz mache ich noch einmal am Kreuz halt. Gegen die Wellen, die das vorbeifahrende Touristenausflugsschiff macht, möchte ich nicht anschwimmen. Dann lieber schaukeln und warten.

Noch ein paar hundert Meter, dann bin ich zurück am Ausgangspunkt.

Ach übrigens: Gewitter gab’s keins. Anders als der Kini konnte ich entspannt und unversehrt aus dem See steigen…


 

challenge2017-kopieAlle Aufgaben im Überblick:
Erledigt: 5.000 am Stück, Fremdes Hallenbad, Erster im Erdinger Freibad, 4 neue Seen: Notzinger Weiher, Bibisee, Starnberger See,

Noch offen: Jahressoll 455 km / Ammersee von A nach B / Rollwende üben / 4 neue Seen ( See 4) / Chiemsee-Querung / Chiemsee Extratour / Langbürgner See / Fremdes Freibad / Drei Badehosen wegschmeißen / Vollmondschwimmen / Goldene Stunde

 


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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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