Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 2017 (Teil 5): Geben und nehmen in Haar

Ein Kommentar

Was für eine schwachsinnige Idee…
Wie konnte ich nur darauf kommen, in meine Challenge 2017 den Besuch eines Freibads aufzunehmen, in dem ich noch nie gewesen bin?
Nun ist das per se keine allzu große Herausforderung. Das Freibad in Haar liegt quasi auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, ich muss nur kurz von der Autobahn runterhüpfen und schon bin ich da.
Nur hüpfen heute, als ich auf die Idee komme, das Haarer Bad zu besuchen eigentlich alle von der Autobahn. Die nämlich ist komplett dicht, nachdem es irgendwo bei Aschheim in der Baustelle gekracht hat und jeder meint, den Stau umfahren zu müssen.
Auf der B 471 reihen sich Stoßstangen an Stoßstangen bis auch dort nichts mehr geht. Ortskundige lassen sich vom Verkehrsdruck in die 30er Zonen drücken, Hauptsache es geht irgendwo weiter. Berufspendler aus der Region machen es genauso: Am Ende wird man ja irgendwo rauskommen und den Weg nach Hause staufrei antreten können. Pustekuchen.
Das Haarer Freibad liegt in einer solchen 30er Zone, es ist überall arscheng, Parkplätze gibt es sowieso nicht, was die Freibadbesucher, die nach Feierabend schwimmen gehen wollen, zum Rotieren bringt – mit dem Auto und in dem Auto.
Radfahrer, Fußgänger, Rechts-vor-links… bald ist alles nur noch ein einziges Knäuel. Verkehrsinfarkt – wir haben es ja immer gewusst. Aber dass es ausgerechnet in Haar beginnen würde, hat vermutlich niemand geahnt.
Ich lasse mein Auto in einer Nebenstraße, parke zwar legal, mache es aber dem Grundstückseigner auf der anderen Straßenseite verdammt schwer, aus seiner Einfahrt zu kommen oder hineinzufahren, zumindest dann, wenn er einen fetten SUV fährt, was in und um München herum nicht weiter ungewöhnlich ist. Und das Haus passt auch eher zu SUV als zu Fiat 500. Pech gehabt, was fährt der auch so ne Schleuder…
Viel besser ist es im Bad auch nicht, auch wenn die hier gezeigten Bilder trügen. Zwar hat mir ein Stammgast des Markt Schwabener Freibads, den ich auch gelegentlich in Erding treffe, erzählt, wie schön leer es in Haar ist. Aber heute ist eben alles anders. Alles voll.
Missmutig steige ich auf die Schnellschwimmerbahn, nachdem ich mich vorher bei der Schwimmmeisterin erkundigt habe, dass diese für normale, zahlende Gäste benutzbar ist und nicht plötzlich von einem Verein okkupiert wird.
Dass ein solcher im Anrollen ist, habe ich nämlich schon mitbekommen. Aber die Teenager ziehen sich im Becken eine eigene Bahn ein. Und so bleibt uns sogenannten Schnellschwimmern die Bahn erhalten.
Schnell ist dabei relativ – einige haben ein irres Tempo, andere brüsteln, wieder andere trainieren den Beinschlag, was die Schwimmgeschwindigkeit vollkommen unterschiedlich macht. Bei zeitweilig acht Leuten auf der 50er Bahn ist das trotzdem einigermaßen konflikt- und kollisionsarm – würden sich nicht am Beckenrand immer alle ihre Verschnaufpausen gönnen und somit für alle andere die Wende unmöglich machen.
„Furchtbar, wie voll das heute ist“, stöhnt einer. Ich nicke kurz und stoße mich ab. Hinter mir will schließlich der nächste wenden.
Überhaupt kommt mir die Bahn verdammt eng vor. Und je näher man der Leine zur Bahn des Vereins kommt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit unter der Leine hindurch einen Tritt abzubekommen – zumindest, wenn der Nebenmann auf Brust umgestellt hat.
Ich stecke kräftig ein – Spaß macht das nicht, ich beschließe, nach drei Kilometern wird Schluss für heute sein. Gelegentlich teile ich auch aus. So bekommt ein etwa sieben- bis achtjähriger Junge von mir buchstäblich eine um die Ohren geklatscht, und das mit Paddel, natürlich nicht mit Absicht. Schuld hat er letztlich selbst, nur haben ihm weder der gesunde Menschenverstand noch das aufsichtführende Personal ihm klar gemacht, dass es eine Scheißidee ist, sich mitten im Becken an der Trennleine festzuhalten, daran herumzuturnen und den Kopf weit in die Schwimmerbahn zu strecken.
Zack – fällt halt der Watschenbaum um, lernt er es eben auf diese Art. Das tut mir zwar Leid, vor allem, weil ich ihn echt nicht gesehen habe, aber zum Entschuldigen ist keine Zeit. Kaum, dass ich den Schreck, der mich abrupt zum Anhalten gebracht hat, verdaut habe, hängt mir schon ein Krauler in den Füßen. Klatsch, trifft mich sein Paddel auf der Ferse. Es ist ein Geben und Nehmen heute.
Das ist der Moment, in dem ich ganz sicher bin: 3 Kilometer reichen, danach fahre ich heim. Aber wenigstens die Distanz werde ich im Gedränge durchhalten. Und damit ist das Pflichtprogramm absolviert. Ab morgen geht es wieder in den Weiher – prügelfrei.
Zumindest steht mein Auto ungeprügelt und unbeschädigt noch immer dort, wo ich es verlassen habe. War wohl doch kein SUV Fahrer gegenüber…


 

challenge2017-kopieAlle Aufgaben im Überblick:
Erledigt: 5.000 am Stück, Fremdes Hallenbad, Erster im Erdinger Freibad, 4 neue Seen (Notzinger Weiher, Bibisee, Starnberger See, Fremdes Freibad,

Noch offen: Jahressoll 455 km / Ammersee von A nach B / Rollwende üben / 4 neue Seen – einer noch / Chiemsee-Querung / Chiemsee Extratour / Langbürgner See / Drei Badehosen wegschmeißen / Vollmondschwimmen / Goldene Stunde

 


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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

Ein Kommentar zu “Challenge 2017 (Teil 5): Geben und nehmen in Haar

  1. Gute Brustschwimmer treten niemand anderen. Das Problem ist, selbst erfahrene Krauler können nicht gut Brustschwimmen. Und Krauler sind für Brustschwimmer auch nicht immer die wahre Pracht, da viele das Wasser erschlagen wollen und damit so starke Wellen schlagen, dass allen Schwimmern im Umkreis von 2 Metern die Möglichkeit des Atmens genommen wird.

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