Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Zicke-Zacke – Eine Geschichte vom Schwimmen

Hinterlasse einen Kommentar

Flupp – flupp – flupp – flupp
Flupp – flupp – flupp – flupp
Flupp – flupp – flupp – flupp

Unermüdlich schnellen die Arme vor, erst der eine, dann später der andere. Die Hand greift ins Wasser. Zieht, drückt.

Flupp – flupp – flupp – flupp
Flupp – flupp – flupp – flupp

Zug um Zug bewegt sich der Schwimmer vorwärts. Meter um Meter

Flupp – flupp – flupp – flupp

Aber das denkt er nicht. Seine Gedanken sind längst mit der Bewegung verschmolzen, und dem türkisfarbenem Wasser. Heute hat er es für sich allein. Als er gestartet war, hatte gerade ein anderer Schwimmer den Weiher verlassen. Ein weiterer zog seine Bahnen zwischen dem Gebäude der Wasserwacht und der Halbinsel am Westufer. Immer hin und her.

Langweilig, befand er. So ähnlich hatte er das gestern erst gemacht. Nur eben nicht auf der kurzen West-Ost-Spanne, sondern der Länge nach.

Darum hatte er eine Stelle ausgesucht, von wo er noch nie los geschwommen war. Und eine völlig neue Route. Denn eigentlich kannte er jeden Winkel des Weihers. Dutzende Male war er dort schon schwimmen gewesen. Meist vom Süden nach Norden und zurück. Dieses Mal aber startete er in dem verwaisten Naherholungsgebiet am Ostufer, schwamm um die beiden Inselchen herum nach Süden bis er ins flache Wasser kam, wendete sich dann nach Westen und kehrte, als er auch dort das Ufer erreichte, zu seinem Ausgangspunkt zurück. Von dort wieder nach Westen und wieder nach Osten, wobei er einen Zick-Zack-Kurs anpeilte, der ihn nach und nach immer weiter nach Norden brachte.

Der andere Schwimmer, den er vom Ufer aus gesehen hatte, war, als er die Höhe der Wasserwacht erreichte, verschwunden. Soweit er das überblicken konnte, war er nun ganz allein. Etwas vollkommen Neues. Außer ein paar Wasservögeln war niemand auszumachen, mit dem er den Weiher teilen musste. Grandios.
Keine Badenden, keine Stand-Up-Paddler, keine Surfer, keine Schwimmer, niemand im aufgeblasenen Kanu, niemand auf einer Luftmatratze.
Nur er.
Zicke – Zacke – Zicke – Zacke
Auf niemanden musste er achten, nur auf die Punkte am Ufer, denen er sich nähern wollte und auf die Wolken über ihn. Regen würde ihn nicht stören. Dieses Mal war er vorbereitet, nicht so wie vor einer Woche, als er bei einem plötzlich einsetzenden Schauer das Wasser schnell verlassen musste. Damals lagen seine Garderobe und sein Handtuch ungeschützt am Ufer. Und wenn er etwas überhaupt nicht ausstehen konnte, dann in nasse Sachen schlüpfen zu müssen. Also hatte er heute alles in eine Plastiktüte verstaut. Sollte es doch regnen – nass war er sowieso und die Garderobe würde trocken bleiben.

Er erinnert sich, dass er in den sozialen Medien gefragt worden war, wo denn die Unterwasserfotos seien, beschloss auf die Schnelle ein paar Bilder zu machen und irgendwann einmal zu erklären, wie er das machte und vor allem warum.

Dann schwimmt er weiter. Immer weiter. Er zählt die Züge nicht, er denkt nur noch Zicke-Zacke, atmet auf dem -ke von Zacke und dann geht es wieder von vorne los. Und schwimmt Zick-Zack. Alles, was ihn beschäftigt und auf Trapp hält, verliert an Bedeutung.
Langsam nähert er sich der Norseite des Weihers. Natürlich ist auch jetzt nichts neu hier, das weiß er auch. Nur die Streckenführung ist es, und so schwimmt er aus ungewohnten Richtungen auf die markanten Punkte am Ufer zu.


Endlich ist er am Nordufer angekommen – einen Abstecher wird er noch machen, dann geht es zum Ausgangspunkt zurück. Zeit wird’s. Er weiß, zu behaupten, er könne unendlich weiterschwimmen, ist eine Lüge. Und ein gefährlicher Irrtum. Auch wenn das Ufer nirgends weiter entfernt ist als 500 Meter hat die Wasserwacht schon so manchen ermatteten und ermüdeten Sportler aus dem Teich gerettet. Er kennt seine Kondition, seine Kraft und weiß, wann es genug ist.

Als er Bilanz zieht, weiß er, dass er vier Kilometer geschwommen ist. Eine solche Distanz ist nicht ungewöhnlich, aber in diesem Weiher hatte er sie bisher nicht erreicht. Alles, was er vorher probiert hatte, wurde irgendwann langweilig und hatte ihn aus dem Wasser getrieben.
Zickzack scheint die Lösung zu sein – zumindest dieses eine Mal.
Er schwimmt zurück und stellt erstaunt fest, was man alles so am Ufer im flachen Wasser findet. Unglaublich, was da alles herumliegt, achtlos zurückgelassen, zu schwer und zu massig, um von den kleinen, klatschenden Wellen ins Tiefe gezogen zu werden…


Vielen Dank fürs Lesen.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, dann freue ich mich, wenn Sie ihn Ihren Freunden weiterempfehlen – z.B. über Facebook, Twitter, in Internetforen, Facebookgruppen o.ä.
Gern dürfen Sie meine Artikel auch verlinken.
Haben Sie Fragen oder Anmerkungen zu diesem Beitrag? Dann nutzen Sie bitte das Kommentarfeld.

Advertisements

Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s