Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 2017 (Teil 8): Was Neues am Chiemsee – Der Kailbacher Winkel

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Oft schon war ich zum Baden oder Schwimmen am Chiemsee. Es ist der See in Bayern, in dem ich mit Abstand am meisten geschwommen bin, die heimischen Weiher mal ausgenommen, aber das sind ja auch keine Seen. In den allermeisten Fällen ging es dabei von Felden bei Bernau los, also im südwestlichen Eck.
Zeit wurde es also, den See mal von seiner anderen Seite kennenzulernen. Aufgabe für 2017 also: Eine Strecke im Chiemsee dort zu schwimmen, wo ich noch nie war. Das ist keine allzu große Herausforderung, der See bietet genug Möglichkeiten, was mich schon jetzt dazu verführt, mir die gleiche Augabe auch 2018 zu stellen und so den zweitbesten See von allen immer wieder neu zu entdecken.

Heute also eine Runde im Kailbacher Winkel. Der ist ganz im Norden, westlich von Gstadt, eine Ausbuchtung, in der sich wunderbar schwimmen lässt, vor allem ohne dass man mit dem Ausflugsboote-Intensiv-Verkehr in Berührung kommt.
Der nämlich pendelt zwischen Gstadt, Prien und der Herren- und Fraueninsel in einer Taktdichte, dass man das Gefühl hat, man sei am Suezkanal (wo ich zugegeben noch nie war und keine Ahnung habe, wie viele Schiffe sich dadurch quälen). Egal. Anderes Thema.
Wie gesagt: Startend vom Strandbad Breitbunn aus kann man sich ganz hervorragend innerhalb der Bucht bewegen, und jetzt endlich darf man es auch wieder. Denn vom 01.03. bis zum 31.07. sind Teile als Wasservogelbrutgebiet gesperrt.
Eine Boje, die wir während des Schwimmens entdecken, informiert uns – ein wenig spät. Aber es ist ja sowieso schon August.
Was soll’s also?

Als Herbert, der nach längerer Zeit mal wieder mit am Start ist, und ich am Strandbad ankommen, herrscht trotz Sommerferien kaum Betrieb. Zum Einen ist es noch recht früh, zum anderen sieht das Wetter nicht nach einem Traumbadetag aus.

Ohne es gezählt zu haben möchte ich trotzdem behaupten, dass mehr Enten ihre Runden über die Liegewiese drehen als Besucher. Das wird sich zwar im Laufe des Tages noch ändern, aber offensichtlich haben die Chiemgau-Urlauber heute den Wecker auf „Ausschlafen“ geschaltet. Das neugierige Federvieh tickt da anders.
Am Morgen hatte es noch geregnet, langsam legt sich eine bleierne Schwüle über den See. Es geht kein Wind. Vom Strandbad aus geht es direkt nach Westen Richtung Sassau, eine Halbinsel, die den Kailbacher Winkel von der Schafwaschener Bucht trennt, die übrigens auch noch auf unseren Besuch wartet. Wir schwimmen bis kurz vor die Segelboote, die uns ihre breiten Hinterteile entgegenstrecken. Dann wenden wir uns nach Süden.

Zwischendurch bereue ich, ohne Neoprenanzug geschwommen zu sein. Das Wasser kommt mir kälter vor, als es tatsächlich ist. Denn später messen wir 22° bei einer Wassertiefe von 60cm. Dann dürfte es an der Oberfläche sicher 24°C haben.
Vorbei geht es an undurchdringlichem Schilf zum Ausgang der Bucht. Vor uns liegt die Ausflugsboot-Rennstrecke, dahinter die Herreninsel und ein Stück weiter östlich die Fraueninsel. Das Licht ist diffus, die Inseln verschwimmen zu schwarzen Strichen, der Himmel und das Wasser scheinen zu verschmelzen.

Im scharfen Winkel geht es nun ziemlich genau nach Osten, nach Urfahrn, eine Landzunge, von der der Kini (ja genau, der, ich erkläre jetzt nicht wieder, wer das ist) sich weiland zur Überfahrt zur Herreninsel einschiffte.
Das sind knapp 500 Meter – eine lächerliche Distanz, die er ruhig hätte schwimmen sollen, dann wäre er vielleicht etwas besser im Training gewesen und nicht so erbärmlich im Starnberger See ertrunken (worden), wovon in diesem Blog ja auch schon zu lesen war. Ohne Kini geht’s eben nicht.

Der Rest ist schnell gemacht: 800 Meter, immer am Ufer lang nach Norden und wir sind wieder in Breitbrunn. Wir kehren noch einmal zur Spitze der Halbinsel zurück, dieses Mal zu Fuß über einen romantischen Weg (so eine Hinweistafel) zu einem kleinen König-Ludwig-Denkmal, das sich als unbearbeiteter kinderwagengroßer Stein entpuppt, auf dem eine kleine Bronzetafel geschraubt wurde – wie enttäuschend.
Die Spitze ist ein bemerkenswertes Naturparadies. Und das ist so dermaßen natürlich, dass dort die Nackterten scharenweise auf den kleinen Stränden im Schilf liegen oder venusgleich den Fluten entsteigen. Allerdings hat das Geschöpf, das vor meinen Augen den Chiemsee entsteigt und mich am Fotografieren hindert (Anstand hab ich) außer ihrer Nacktheit mit der Venus eines Botticcelli rein gar nichts mehr gemein. Aber der Nackige eine Bucht weiter sieht auch weitaus weniger aus wie der David eines Michelangelo, so gleicht sich eben alles aus…

Da waren die beiden Schwimmer heute im Wasser schon ein ganz anderes Gespann. Wie Statler und Waldorf. Oder wie die Blues Brothers – fragt sich nur, wer da wer ist.

Stilecht beenden wir den Schwimmtag mit einem Imbiss am Strandkiosk. Pommes rot-weiß. Was sonst?
Wir sind schließlich im Chiemgau. Da ist der Leberkäs den holländischen, westfälischen und sächsischen Touristen vorbehalten. Und die gibt’s reichlich…


 

challenge2017-kopieAlle Aufgaben im Überblick:
Erledigt: 5.000 am Stück, Fremdes Hallenbad, Erster im Erdinger Freibad, Fremdes Freibad, Tegernsee statt Ammersee, Langbürgner See, Chiemsee Extratour, 4 neue Seen: Notzinger Weiher, Bibisee, Starnberger See,

Noch offen: Jahressoll 455 km / Rollwende üben / 4 neue Seen – einer noch / Chiemsee-Querung / Drei Badehosen wegschmeißen / Vollmondschwimmen / Goldene Stunde

 


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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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