Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 2017 (Teil 6): Am Ammersee – ein „Himmelfahrtskommando“

Ein Kommentar

Doch noch – ich hatte schon fast nicht mehr daran geglaubt. Bereits im vergangenen Jahr hatte ich mir vorgenommen, im Ammersee von A nach B zu schwimmen (wobei die Ortschaften A und B beliebig zu wählen waren), eine Aufgabe, die 2016 unerledigt blieb. Vielleicht lag es daran, dass ich mich auf Mitschwimmer verlassen hatte, die Interesse bekundet hatten, und insgeheim einzuplanen, dass damit die Logistik, zurück nach A zu kommen, geregelt hätte werden können.
Dem war nun nicht so, also musste ein Alternativplan her, der mich autark von anderen macht und dann eben die Ammersee-Schifffahrt mit einbindet. Der Plan war schnell gereift. Am Nordende in Stegen das Ausflugsboot zu besteigen, gleich darauf an dem nächsten Halt in Schondorf zu verlassen, den See von dort zu queren und dann am Ostufer von Buch am Ammersee zurück nach Stegen zu schwimmen. Ein Teilstück, das ich bereits 2015 geschwommen war.
Aufrufe in den Facebook-Gruppen Schwimmzone und Bist Du heute schon geschwommen sollten um Mitschwimmer werben, normalerweise bin ich eher der Einzelgänger, aber gerade solche Aktionen machen zu mehreren noch mehr Spaß.

Aber es entpuppte sich als „Himmelfahrtskommando“, Mitschwimmer für diesen Tag zu finden. Letztlich kristallisierte sich aus den Interessenten eine Gruppe von knapp zehn Leuten heraus, die mehr oder weniger fest zusagten. Und dann kam das, was man hinlänglich aus der Dramaturgie unzähliger Spielfilme kennt: Sechs bis zehn unterschiedliche Charaktere müssen gemeinsam eine komplizierte, gefährliche Aufgabe bewältigen, sei es, ein Dorf vor Schurken zu beschützen, Aliens aus einem Raumschiff vertreiben, die Kanonen einer an sich uneinnehmbaren Festung sabotieren oder eine riesige Schlange in den Sümpfen des Amazonas fangen. Nach und nach dezimiert sich die Gruppe, am Ende bleiben zwei oder drei über, nämlich die, deren Name auf den Filmplakaten weit vorne steht. Solche Stories kennt man.
So ungefähr war es, als übers Wochenende und bis heute Morgen Absage nach Absage eintrudelte – jede verständlich, jede berechtigt. Keine Frage. Trotzdem war es schade, dass die Gruppe sich weiter und weiter verkleinerte.
Am Ende blieben Alexandra und ich übrig.

Und so wurde der oberbayerische Feiertag Mariä Himmelfahrt für uns zwei unser eigenes kleines Himmelfahrtskommando, natürlich nur im übertragenen Sinn. Alles verlief perfekt nach Plan – sieht man mal davon ab, dass am Ammersee an einem solchen Feiertag mitten in den Ferien und bei wunderschönem Wetter ein heilloses Verkehrschaos herrscht, Parkplätze genauso schwer zu finden sind wie freie Flächen auf der Liegewiese am Ufer in Stegen. Es herrscht offener Krieg auf den Parkplätzen.
Das geheime Erkennungszeichen (Neoprenanzug und Boje auf der Liegewiese) wird von Alexandra richtig gedeutet, kaum dass ich das Gummiungetüm aus der Tasche geholt hatte. Gemeinsam fahren wir von Stegen mit dem Schaufelradboot nach Schondorf und steigen dort unter den neugierigen Blicken einer Hundertschaft Urlauber und Naherholungssuchender ins Wasser. Menschen, die sich so merkwürdige aufgeblasene, orangefarbene Dinger um den Buch schnallen, Schwimmbrillen aufsetzen und Silikonkappen – das können doch nur Verrückte sein. Am Ende schwimmen die noch quer über den See. Was auch genauso passieren wird.
Alexandra fragt, auf wie vielen Fotos von Urlaubern wir nun drauf sein werden, es müssen Dutzende sein. Noch dazu, weil ich im Neo schwimme, was jetzt nicht unbedingt nötig gewesen wäre, mir aber erheblich komfortabler vorkommt. Sie schwimmt ohne, was ich enorm bewundere. Frauen sind halt doch taffer als wir Männer.
Wir versichern uns wechselseitig noch einmal, als Genussschwimme gekommen zu sein, womit geklärt ist, dass es wurscht ist, wie lange wir brauchen werden, ich hin und wieder bis zum Leerstand des Akkus Fotos machen kann. Wieder einmal erweist es sich als clever, die Kamera hin und wieder ans Ladegerät anzuschließen. Ist ja nicht das erste Mal, dass mir so etwas passiert.

Regelmäßig machen wir kurze Pausen, um zu schauen, ob Segler, Ausflugsboote oder sonst wer unsere Bahn kreuzen wird. Eine Segeljolle schneidet relativ dicht unseren Weg, bei dem wenigen Wind aber hat sie kaum Fahrt, der Segler sieht unsere Bojen und weicht rechtzeitig aus.
Alexandra ist immer sehr nah. Es ist fast wie bei einem eingespielten Team: Unsere Geschwindigkeiten haben sich schnell aneinander angepasst, und keiner weicht sehr weit vom anderen ab – die kurzen Blicke auf die Bojen sind enorm hilfreich. Einnal mehr erweist sich dieses Hilfsmittel als überaus sinnvoll.
Mit dem T-Shirt, den Flip-Flops, der Tüte vom Neo und etwas Wechselgeld in der Boje geht es quer über den See bis kurz vor Buch am Ammersee und von dort in einer steilen Kurve wieder nach Norden zurück nach Stegen. Eine Pause in Buch verkneifen wir uns, wir sind beide fit genug, durchzuschwimmen und am Ufer ist es auch entschieden zu trubelig.
4,1 Kilometer zeigt Alexandras Garmin an, als wir in Stegen aus dem Wasser steigen. So ungefähr hatte ich es vorher via Google-Maps ausgerechnet.
Hach… ich liebe es einfach, wenn Pläne funktionieren. Vor allem, wenn es meine eigenen sind. Ich werde weitere machen…

 


 

challenge2017-kopieAlle Aufgaben im Überblick:
Erledigt: 5.000 am Stück, Fremdes Hallenbad, Erster im Erdinger Freibad, Fremdes Freibad, Langbürgner See, Chiemsee Extratour, Vollmondschwimmen, Ammersee, mindestens 4 neue Seen: Notzinger Weiher, Bibisee, Starnberger See, Tegernsee,

Noch offen: Jahressoll 455 km / Rollwende üben / Chiemsee-Querung / Drei Badehosen wegschmeißen / Goldene Stunde

 


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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

Ein Kommentar zu “Challenge 2017 (Teil 6): Am Ammersee – ein „Himmelfahrtskommando“

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