Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Buxenparade (Teil 16): Grinsend über beide Backen

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Agalychnis callidryas..

Den kennen Sie nicht?
Doch. Da bin ich relativ sicher. Den haben Sie ganz bestimmt schon mal gesehen. Nur noch nicht an meinem Hintern. Aber das kann sich, wenn Sie den Beitrag weiterlesen ja noch ändern.

Denn Agalychnis callidryas gehört zu den bekanntesten Amphibienarten überhaupt: Es ist der Rotaugenlaubfrosch.
Ursprünglich ist der putzige Gesell in Zentral- und Südamerika beheimatet, längst aber hat er als beliebte und nicht allzu kompliziert zu haltende Art die Terrarien auch hierzulande erobert. Und nicht nur das. Sein Aussehen hat ihn zu einiger Berühmtheit verholfen, und so ist er ein begehrtes Model für allerlei Markenartikler: Fuji wirbt mit dem Frosch ebenso wie Labello. Seine Farbigkeit, die großen Augen, der „neugierige“ Blick, der verwegen-freche Gesichtsausdruck – offensichtlich ein Idealbild für alle, die für Farbbrillanz oder Exotik werben wollen.
Sportbekleidungshersteller Diapolo, der sich vor allem auf Schwimmen und Wasserball spezialisiert hat, hat den Sympathieträger auf eine seiner Badehosen gedruckt. Ein ganz besonderes Modell in der ohnehin unglaublich farbenfrohen Kollektion – und damit ist der Frosch eine Kampfansage an das überwiegend zur Schau gestellte Einheitsschwarz oder Dunkelblau.

Kunststück, das Modell muss ich haben. Nicht umsonst heißt das Blog hier ganz offiziell Wasserfrosch. Nun mögen Herpetologen zu Recht anmerken, dass Laubfrösche arborikol (googeln Sie selbst, was das heißt) und nicht halbaquatisch leben und sicher nicht als Wasserfrosch tituliert werden dürfen. Da haben sie zwar recht, aber ich möchte zu meiner Entschuldigung vortragen, dass ich bisher keine andere Badehose mit aufgedruckten Anuren gefunden habe, von ein paar Exemplaren für Kinder abgesehen. Und das will weder ich an mir sehen noch sonst wer.
Als ich also diese Hose eher zufällig bei einem nicht ganz unbekannten Online-Händler entdecke, musste sie auf meine Wunschliste.
Unbedingt und sofort.

Nicht, dass ich mir in meinen kühnsten Träumen ausgemalt hätte, dass die mir tatsächlich irgendwer irgendwann mal schenkt, schließlich ist die Auffälligkeit dieses Textils schon eine gewisse Herausforderung. Der Träger läuft – je nach Auge des Betrachters und Schenkenden – Gefahr, die Grenzen zur Geschmacklosigkeit bzw. Lächerlichkeit überschreiten. Aber man muss solche Wünsche nur hartnäckig und lang genug vortragen (und alle anderen Artikel aus der Wunschliste entfernen), dann passiert das schon mal, dass man Totenkopf-Badekappen oder Froschlurch-Buxen bekommt.
Ich gebe allerdings zu, dass der Wunsch nicht so ganz ernst gemeint war. Aber meiner Familie, die mich meistens intensiv bei all dem Unfug, den ich anstelle, unterstützt, war der Wunsch Befehl.
Zu meinem Geburtstag lag also neben der Totenkopf-Badekappe auch die Froschhose auf dem Geschenketisch – dazu ein T-Shirt von meinem Bruder: Die verschworene Gemeinschaft hatte sich ganz meinen Geschenkvorschlägen gewidmet, einen Diapolo-Großeinkauf getätigt und mir so Überraschungen und Geschenke, die ich nicht haben will, erspart.
Nun musste ich nur noch das eine nach dem anderen in die aktive Benutzung überführen. Für ein weißes T-Shirt mit dezentem Aufdruck Just keep swimming war das keine Herausforderung, für die Totenkopf-Kappe auch nicht. Aber ein glotzender Frosch auf Arsch und Frontpartie erfordert dann doch etwas Trage-Courage. Ich bin schließlich keine 20 mehr, habe nicht ganz die Figur wie Tarzan, zumindest nicht in dem Lebensabschnitt, wie man ihn aus Filmen kennt. Ich habe auch nicht Schwimmtechnik oder -tempo eines Barrakuda, dass ich eine solche Hose über jeden Zweifel erhaben und mit erhobenem Haupt tragen könnte.

Feige, wie ich also bin, zögere ich die erste Wässerung der Frosch-Buxe heraus und suche mir einen Tag aus, an dem es möglichst leer ist im Schwimmbad. Ich bin alleine ohne Herbert unterwegs und auch sonst ist die Wahrscheinlichkeit gering, sich einen blöden Kommentar von jemandem, den ich kenne, einzufangen, offen oder gar von Fremden hinter meinem Rücken und doch unüberhörbar vorgetragen. Wobei ich einschränkend anmerken muss, dass es mir bei den meisten Mitmenschen mittlerweile herzlich egal ist, was die von mir halten, was das Leben wesentlich entspannter macht. Und das Tragen von Rotaugenlaubfröschenwasserballbadehosen.

Trotzdem bleibt eine gewisse Anspannung, ob ich es nicht mit dieser Hose endgültig übertrieben habe. „Is top quality. You will look very, very good. I promise. Try it!“ werde ich, wie weiland in Cannes jedenfalls nicht zu hören bekommen. Da bin ich sicher.
Wie dem auch sei.
Auf alle Fälle ist die Rückpartie der Hose sehr markant. Freundlich grinst der Frosch über beide Backen seinem Betrachter entgegen. Er könnte sich als Blickfänger beweisen und damit dafür sorgen, dass man mir auf den Hintern starrt. Nicht des Hinterns wegen natürlich, natürlich nicht! Nur wegen des Agalychnis callidryas.
Will ich das?

Aber irgendwie ist es dann doch lächerlich, ich habe mir die Hose gewünscht, ich habe sie bekommen, also zieh ich sie auch an.
Und so packe ich den Stier bei den Hörnern, will sagen: Den Lurch in die Schwimmtasche und schließlich erlebt er doch seine erste chlorale Premiere. Der Frosch wird gewässert.
Kommentare?
Fehlanzeige. No one cares.
Da provoziert eine schwarzgelbe Trinkflasche am Beckenrand weitaus mehr Sprüche als so ein possierliches Geschöpf – womit selbstverständlich wieder nur der aufgedruckte Frosch gemeint ist.
Na also. Geht doch.

Und meerwassertauglich ist der Frosch auch. Nur um das zu testen, habe ich sie mit in den Urlaub geschleppt und in den Frosch in die Ägäis genötigt. Aufmerksamkeit hat das auch nicht erregt. Wieder halt nur son’n spinnerter Alter, ein Tourist, der sich nicht damit abfinden kann, dass jeder Mann am Strand Shorts trägt – außer vielleicht die bekloppten Urlauber.
Und dann habe ich sogar noch eines draufgesetzt. Ich habe mich in dieser Hose fotografieren lassen.
Nur für das Blog natürlich. Natürlich.
Als Showdown der Buxenparade…

 


 

Alle Beiträge der Buxenparade:
Teil 01: Heute blau… morgen blau
Teil 02: Just looking good
Teil 03: Das schwarze Menetekel
Teil 04: Der Quotenbringer
Teil 05: Think global and pep your swim
Teil 06: Drei Streifen rot
Teil 07: Das letzte Mal in der Pussie-Bux
Teil 08: Jammern bis der Arzt kommt
Teil 09: Auch damit kann man schwimmen
Teil 10: Die Frustkauf-Beute
Teil 11: Das Schnäppchen in hawaiian ocean
Teil 12: Colour faking
Teil 13: Zähne zeigen
Teil 14: Die hat wohl jeder hier
Teil 15: Drei Streifen blau
Teil 16: Grinsend über beide Backen
Teil 17: Schadensabwehrzauber

Special: Ein Speedo-Gastbeitrag von meinem guten Freund Alex


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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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