Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Das Ende ist da… Mimimi

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Kaum dreht man sich einmal um, ist der Sommer schon wieder vorbei. Im Lebensmittelhandel türmen sich Dominosteine, Lebkuchen, Spekulatius und Marzipan. Das ist das untrügliche Zeichen in Bayern, dass die Sommerferien zu Ende sind, spät, aber sie haben ja auch spät begonnen. Und mit dem Ende der Sommerferien naht auch das Ende der Freibadsaison – ein Bad nach dem anderen schließt. Überall das Gleiche: Schwimmblogger und Facebooker seufzen um die Wette, dass sie nun zurück in die Halle müssen. Ein guter Grund, sich anzuschließen…

Angesichts der aktuellen Witterung ist es keine Überraschung, dass die Betreiber heuer die Bäder keinen Tag länger geöffnet halten als ursprünglich geplant. Warum auch?
Witterungsmäßig herbstelt es so sehr, dass nur noch die Vereine und die wenigen hartgesottenen Badegäste, die bei jedem Wetter kommen, ihre Bahnen gezogen haben.  Eine Handvoll Leute. Wenn überhaupt.
Ich gestehe: Auch meine Motivation, mich ins Becken zu werfen hat bei 12°C merklich nachgelassen, selbst wenn das Wasser geheizt ist. Aber zum Abschluss will ich es noch einmal auskosten. Diese Woche noch zweimal durchs Drehkreuz. Einmal in Erding, einmal in Taufkirchen. Und leise Servus sagen… zum Abschied. Den beide Bäder schließen diese Woche, das Erdinger heute, das Taufkirchner am Sonntag.

Auch wenn es nachvollziehbar ist, ein reines Freibad bis in den Winter hinein zu betreiben, möchte ich nicht, dass die Saison schon wieder zu Ende ist. Noch nicht. Es ging zu schnell. Zu kurz ist die Saison gewesen, zu lange dauert es, bis Anfang Mai 2018 die Bäder wieder öffnen. Das sind über sieben Monate, eine kleine Ewigkeit. Mimimi.

Den letzen Besuch im Erdinger Freibad absolviere ich bei wolkigem Wetter am Dienstag. Hin und wieder schaut sogar die Sonne heraus. Doch dann zieht von Westen her ein schmales, tiefdunkles Wolkenband heran und entlässt heftigen Regen über uns. Viele Besucher gehen, nur die Vereinsschwimmer auf der Nebenbahn und ein paar ganz Tapfere halten aus. Es schüttet während der letzten 500 Meter, die ich noch machen will. Kalte, schwere Wassertropfen klatschen mir auf den nackten Rücken. Doch am Horizont ist bereits wieder die untergehende Abendsonne zu sehen. Richtung Westen hat der Himmel eine schier unwirkliche Farbe angenommen. Gleichzeitig bildet sich über dem benachbarten Nichtschwimmerbecken ein Regenbogen und ein blasser zweiter direkt darüber. Es ist visuell ein ganz großer Showdown der Sommer-Freibadsaison 2017. Im noch immer strömenden Regen verlasse ich das Becken, packe Baddle, Pullbuoy und Brille zusammen. Ich fische aus der Plastiktüte, in der ich Handtuch und Fleecepulli regensicher auf einer Bank am Beckenrand deponiert hatte, die kleine Kamera. Nein. Kein Abschluss-Selfie. Dieses Jahr nicht. Es gibt Spannenderes zu fotografieren.

Zwei Tage später fahre ich noch einmal nach Taufkirchen. Das Sportbecken mit der abgetrennten 50er Bahn ist schon gesperrt. Quer sind im flacheren Becken Bahnen abgetrennt. So ist es immer am Saisonanfang und am Saisonende. 30 Meter misst die, was heißt, dass die ganze Bahnenzählerei und Rechnerei wieder durcheinander kommt. Aber heute passt es. 140 Bahnen sollen es sein, also 4,2 Kilometer. Damit beende die Freibadsaison doch noch mit einer glatten Zahl an geschwommen Kilometern. Bloß nix hinterm Komma…

Meine Bilanz 2017?

Am 05. Mai war ich dieses Jahr zum ersten Mal im Freibad, meistens war ich in Erding, ein paar Mal in Taufkirchen, einmal in Haar. Insgesamt 23 Besuche meltet meine Statistik. Somit ist die Frühjahrsfrage, ob ich mir eine Saisonkarte hätte kaufen sollen oder nicht, auch eindeutig beantwortet. Es hätte sich nicht gelohnt. Richtig entschieden.

Was die Statistik noch verrät: 85 Freibadkilometer sind zusammengekommen. So richtig viel ist da nicht zusammengekommen. Es ergab sich eben so. 2016 waren es 104. Andererseits habe ich dieses Jahr dem Becken im Durchschnitt 3,7km pro Freibadbesuch abgetrotzt, und 2016 waren es nur 3,2. Ich liebe solche Statistiken…

Schuld an den  wenigen Freibadbesuchen war natürlich das Wetter. Wer sonst?
Entgegen subjektiver Erinnerungen und dem Gemecker allüberall war der Sommer nämlich 2017 so gut, dass ich am 18. Mai das erste Mal in den Weiher gestiegen bin, Hecht-Sichtung inklusive. Und dabei blieb es, ich war überwiegend in Seen und Weihern unterwegs. Es ist das erste Mal, dass ich im Freiwasser weitaus mehr Kilometer zusammengebracht habe, als im Freibad.

Und das wird sich jetzt auch nicht mehr ändern. Im Gegenteil: Vielleicht werde ich noch das eine oder andere Mal im Neoprenanzug für eine kurze Runde in einen See oder Weiher steigen können, immerhin kann es in der zweiten Septemberhälfte und auch bis Anfang Oktober noch einmal richtig warm werden. Dem gechlorten Draußenwasser aber musste ich heute „Lebewohl“ sagen. Lange wird es nicht dauern, bis das klare, farblose Wasser in den Becken sich eine algengrüne Brühe verwandeln wird. Und irgendwann friert es vielleicht sogar zu.

Und nun?

Für längere Strecken und regelmäßiges Schwimmen bleibt nichts übrig, als der Rückzug in die Halle.
Aus 80 Bahnen werden wieder 160 Bahnen für 4 Kilometer, aus einer ausgedehnten Runde im Weiher werden 150 Bahnen im Hallenbad.

Getreu der Devise, dass alles auch sein Gutes hat, stelle ich mich mental nun langsam aufs Drinnenschwimmen ein und suche das Positive daran.
Erfahrungsgemäß schwimme ich im Winter länger, ausdauernder und öfter. Außerdem haben die Hallenbäder abends länger auf als die Freibäder geöffnet, was die Hetze nach Feierabend deutlich verringert.Und ich freue mich, wenn das Dampfbad in Erding wieder in Betrieb geht.
Ich kann nach dem Schwimmen in Markt Schwaben wieder von der Bank aus dem putzigen Show-Programm der Aquagymnastik zusehen, sofern die Kurse weitergehen… und ich werde dort mit dem Bademeister, der ein glühender FC-Bayern-Fan ist, wieder ein wenig über Fußball schwadronieren. Es gibt viel zu erörtern.
Und ich werde mich auf den nächsten Sommer freuen. Das ist doch auch was.


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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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