Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Saisonabschluss – der Stress des letzten Wettkampfs

Ein Kommentar

Illustriert mit Fotos von Mirko Groß vom Chiemsee-Langstreckenschwimmen 2017

Erinnern Sie sich daran, dass ich vor kurzem erst getönt hatte: „Idiot“, „Trottel“, „Depp“ und Stein und Bein geschworen habe: „Nie wieder…“?
Das war ungefähr bei der siebten Boje auf dem Langstrecken-Schwimmen im Chiemsee, von dem ich in diesem Blog erzählt hatte. Aber im gleichen Text war auch zu lesen: Es ist phantastisch, ich nehme mir vor, mich gleich am Abend für 2018 anzumelden, und für das Simsseeschwimmen. Und das Tegernseeschwimmen.
Soweit mal zum Thema, dass ich genau weiß, was ich will, bzw. was ich nicht will.

Im Nachgang des Langstreckenschwimmens haben die Veranstalter den Teilnehmern mehrere Mails geschickt, Rückblicke auf das Vergangene und Ausblicke auf das Kommende. Und dieses ist – wer ahnt es nicht – das Chiemsee-Langstreckenschwimmen 2018.
Stets wurde darauf hingewiesen, wann die Anmeldefrist für 2018 beginnt (16.09.2017) und stets wurde darauf aufmerksam gemacht, dass das Boot, das die Teilnehmer zur Fraueninsel ist, automatisch die Teilnahmezahl nach oben begrenzt. Was heißt, dass 250 Personen mit dem Schiff Stefanie transportiert werden können, kein Mensch mehr! Demzufolge können 250 Leute mitschwimmen, und kein Mensch mehr!
Einfache Sache . Und dann kam als letzter Reminder die Mail, dass es am Samstag losginge, man könne/solle/dürfe sich für 2018 anmelden. Da aber war ich in Österreich, hatte aufgrund einer Veranstaltung wenig Zeit, Muße und nur limitierten Netzzugang. Und es offen gestanden auch vergessen.
Zurückgekehrt aus dem Wienerwald, lese ich bei Facebook am Sonntagabend in einer Schwimmgruppe die alarmierende Nachricht von Oliver: „Wir müssen eine völlig irre Spezies sein. Da ist seit 37 Stunden die Anmeldung für das Chiemseeschwimmen in etwa 50 Wochen geöffnet und schon sind 98 Plätze weg…“

Verdammt – das kann ja wohl nicht wahr sein. 98. Das heißt, es sind nur noch 152 Plätze frei. Stopp halt. Ich muss mich ranhalten.
Stopp. Ruhe bewahren. Ich weiß, dass naturgemäß der Run anfangs sehr groß ist, dann aber schnell genug nachlässt, um mir reichlich Bedenkzeit zu verschaffen.
Und wieder steh ich vor der Frage: Soll ich – oder soll ich nicht. Ich wäge das einerseits gegen das andererseits ab, das „Nie wieder…“ gegen das „Sofort anmelden.“
Aus Neugier öffne ich die Liste der bereits angemeldeten Personen, finde einige vertraute Namen, was dafür spricht, mich anzumelden und erinnere mich, dass man Startplätze ja weitergeben kann, wenn man doch nicht antreten will. Was zögere ich da noch?

Der Wettkampf beginnt

Plötzlich fährt mir der Schreck in die Glieder.
Stimmt. Das hatte ich vergessen. Die ersten 100 Teilnehmer erhalten ja als Dankeschön ein nettes Leibchen. Ein T-Shirt mit dem Emblem des Schwimmens und dem obligatorischen Logo-Friedhof, denn die Sponsoren wollen auch ihr Recht bekommen. Das muss ich haben, schließlich habe ich ja auch das von 2017 (und das vom Simsee 2016 und 2015). Ein Goodie, ein Extra-On-Top, ein Mehrwert, ein Add-On, der mir verloren geht, wenn ich nicht sofort zuschlage…
Unversehens sehe ich mich hineingeworfen in das Rennen um die letzten Hemdchen. Ohne die ist alles Unfug. Es geht also wieder mal um Alles: Genauer gesagt, um ein Stück Stoff.Ich muss mich beeilen, verdammt. 98. Da bleibt ein kümmerlicher Rest.
Klick, Klick, Formular ausfüllen… was ein Stress. Verdammt. Handynummer (ich kann meine nicht auswendig)? Ich frage meine Frau, dass sie mir meine und ihre Handynummer raussuchen soll, derweil ich die Adresse eintippe. Verein?
Lass ich offen. Ich bin in keinem. Doch, bin ich. Aber das ist hier nicht relevant. Soll ich trotzdem ADAC reinschreiben? Oder den Förderverein für die…
Kindergarten. Ich halte mich zu lange mit diesem Stuss auf.
Verdammt, der Rechner ist lahmarschig. Wenn jetzt jemand schneller ist als ich… Den Starterplatz werde ich in jedem Fall bekommen, aber eben kein Angeber-Shirt für den nächsten Casual-Wear-Day im Büro. Wie peinlich wäre das denn?
Mach hinne, elendiges WLAN.
Im Fernsehen schwafelt Christian Bale irgendeinen Blödsinn mit irgendeinem Kind, das vor einem brennenden Dornbusch steht. Ton aus. Ruhe jetzt. Der Film ist ohnehin vollkommen bescheuert.
Paypal öffnet sich auch nur zögerlich, vor lauter Hektik gebe ich das falsche Passwort ein. 12335 statt 12345 (kleiner Scherz). Bestimmt hat mich genau deshalb gerade einer überholt, die letzten Plätze mit Geschenk sind weg und ich stehe am Ende mehr oder weniger nackt da.
Noch zwei Klicks.
Noch einer. Schweißperlen bilden sich auf der Stirn.
Anmeldung abgeschickt.
Und da kommt schon die Rückmeldung:
Starterplatz 99. Das vorletzte Hemd.
Erschöpft sinke ich im Sofa zurück. Geschafft. Gerade noch.
Glückshormone durchströmen langsam meinen Körper.
Schweißnass und schwer atmend öffne ich Facebook und antworte auf Olivers FB-Post mit einer einfachen Zahl: 99.
Ein Gefühl des Triumphes macht sich breit. Etwa vergleichbar mit der Abgabe der Diplomarbeit im Büro des Fachbereichdekans 3 Minuten vor 12.00 Uhr am letzten Tag, wenn die Mitarbeiterin erst Tischzeit macht und danach hinter verschlossener Tür dem Wochenende entgegensegelt, derweil die Zuspätkommer nervlich zerrüttet überlegen, wie sie ihren Eltern beichten, dass sie noch ein weiteres Semester werden studieren müssen (Ich kenn das Gefühl).

Kurz darauf melden sich die Teilnehmer 100 und 101 bei FB mit der bangen Frage, wer denn das letzte Leibchen bekommen wird.
Tja, ich lege mein Triumphlächeln auf und will gerade eine blöde Bemerkung posten, ob sie denn nichts aus den Schlussverkäufen der vergangenen Jahrzehnte etwas gelernt hätten und wüssten, dass man frühzeitig auf der Matte stehen muss, um Beute zu machen, da meldet sich der Veranstalter.

Beide bekommen noch eines, denn T-Shirts gibt es bis Platz 102. Zwei Plätze bleiben nämlich automatisch für die Vorjahresteilnehmer freigehalten. So so. Das ist zwar ein nobler Zug, aber bekommen die dann kein T-Shirt, wenn es nur 100 gibt?
Warum melden die Vorjahressieger sich überhaupt überhaupt an?

PS: Es gibt noch Plätze für das Chiemseeschwimmen. Aber leider keine T-Shirts mehr. Mit 108 Teilnehmern (Stand 18.09.2017) ist zwar das Boot noch lang nicht voll, aber die Leibchen-Kiste leer. Und für den Tegernsee melde ich mich aus Trotz nicht an. Warum soll ich dahin? Es gibt keine T-Shirts und entgegen anderslautender Behauptungen schmeckt das Wasser im See keineswegs einzigartig und phantastisch. Sollen andere den leer saufen…

 


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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

Ein Kommentar zu “Saisonabschluss – der Stress des letzten Wettkampfs

  1. Wunderbar! Nach dem Rennen ist vor dem Rennen … Mit der Badehose dem Leiberl hinterher. Trotzdem solltest du den Tegernsee auch mitnehmen, auch wenn er dir zu vielleicht zu großkopfert ist.
    Mit dem Paypal-Passwort ist dir anscheinend schon wieder ein Tippfehler passiert. „12345“ geht nicht!

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