Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…


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Lyrik auf der Sportbahn

Es gibt wenig, was so erschütternd ist wie Zeilen von Amateur-Dichtern, die sich noch dazu krampfhaft bemühen, humorvoll zu sein. Sie tragen ihre Reime auf Geburtstagen, Jubiläen, Familienfesten und Vereinsfeiern vor – die Zuhörer schütteln sich innerlich vor Grausen, bewahren aber Haltung und spendieren  gelegentlich ein mildes Lächeln. Jeder wartet auf den Tusch, wie man ihn von Karnevalsveranstaltungen kennt. Denn dort ist es genauso. Erzwungene Endreime, asymmetrisches Versmaß mit mal zu vielen, mal zu wenig Silben. Und jeder sehnt ein Ende herbei. Gut gewollt heißt eben nicht gut gekonnt. Und die scheinbare Leichtigkeit wirklich guter Lyriker ist vermutlich harter Arbeit entsprungen.

Gelegentlich quäle ich die Facebook-Gruppe Bist Du heute schon geschwommen nach meinem Schwimmen mit selbstgeschmiedeten Versen, wie es in VHS-Kursen und unter Zuhilfenahme grober Werkzeuge (z.B. Brechstangen) nicht erbärmlicher gereimt werden könnte – und mit allergrößter Unverfrorenheit auch noch in einer Mundart, die nicht mal die meine ist.
Vom ersten Meter auf der Bahn bis zum letzten zermartere ich mir mein Hirn, was sich auf „schwimmen“, „Bahn“, „Strecke“, „Spind“ alles reimen könnte, oder auf „Beckenrand“ und „Beinschlag“. Ich zimmere Limericks zusammen, von denen ich erst mal hätte googeln sollen, wie das Versmaß ist, begehe ein abscheuliches Verbrechen an der Gattung Sonett und sorge dafür, dass alle, die sich ernsthaft um Poesie bemüht haben, im Grabe rotieren , so sie nicht mehr unter den Lebenden weilen – denen dreht sich vermutlich erst das Auge nach innen und dann der Magen nach außen. Weiterlesen


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Der mit den Schwänen spricht

Vielleicht gehört es ja mittlerweile zur Tradition dieses Blogs, einmal im Jahr im Winter in „mein Revier“ zu fahren, zu frieren und zu sagen: Wie weise von mir, dass ich mit dem Eisschwimmen nie angefangen habe. Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich das am Tenner See gedacht, vor zwei Jahren an der mittlerweile vom Eigentümer komplett gesperrten Kiesgrube.

Wohlan – dann eben dieses Jahr am Kronthaler Weiher, in dem ich jedes Jahr dutzende Male unterwegs bin. kalt-2017-06-b Weiterlesen


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Challenge 2017 (Teil 1): Der kleine und der große Tod

Natürlich kann man einen freien Tag mit sinnvollen Dingen füllen. Da wären zum Beispiel: Steuererklärung, Altkleider raussuchen und wegbringen, Festplatte aufräumen, digitale und analoge Ablage… bla. bla. bla.
Kann man – muss man aber nicht.
Also ich nicht.
Ich schlafe aus, frühstücke und fahre zum Friseur. Das ist zwar auch kein besonderes Highlight, aber meine Frau meint, es wäre mal wieder nötig – und wie schon mal erwähnt: Wer wollte seiner Frau widersprechen?
Die Friseurin meines Vertrauens hält mir eine Zeitschrift mit neuen Trend-Frisuren unter die Nase. Sie hat auch schon etwas ausgesucht.
Zwar schneidet sie – und nur sie, von anderen lasse ich mich gar nicht erst anfassen – mir seit über 15 Jahren die Haare, das heißt aber nicht, dass ich nicht frisurtechnisch auch mal was Neues wage. Heute zum Beispiel.
Frisch frisiert, geföhnt, gezupft, gegelt und gestylt verlasse ich 30 Minuten später den Laden (…dass Frauen aber auch immer stundenlang darin hocken müssen) und begebe mich auf direktem Weg zum Schwimmbad. Weiterlesen


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Das junge Glück… kann ganz schön nerven

Sie sind jung und lieben sich – wie schön.
Aber können sie ihrer Liebe nicht an anderer Stelle Ausdruck verleihen als ausgerechnet auf der Sportbahn im Schwimmbad?44514902

Ich habe nichts gegen das junge Glück. Aber ich fühle mich belästigt und gestört. Das gebe ich offen zu. Das an sich ist nichts Ungewöhnliches. Ich fühle mich fortgesetzt durch andere Menschen belästigt und gestört. Es gibt nun mal einfach zu viele davon. Vor allem in den Schwimmbädern. Längst habe ich meine Feindbilder ausgemacht und katalogisiert. Das Spektrum reiht von Dienstags-Arschlöchern über Moderlieschen zu Kalle und Opa Kruse.
Nicht zu vergessen die Taumelkäfer und Muskeltiere.

Es wird Zeit diesem Panoptikum der Störenfriede ein weiteres Ärgernis hinzuzufügen: Das junge Glück…
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Weihnachten 2016: Stayin‘ Alive

Eine Erkältung kommt drei Tage und bleibt drei Tage. Wie es dann weitergeht, ist abhängig von immens vielen Faktoren. Viele Männer sterben ja dann an dem tödlichen Männerschnupfen. Das ist hinreichend erforscht und thematisiert worden, das muss hier nicht erneut zur Sprache kommen.
Für alle anderen gilt: Eine Erkältung geht auch drei Tage. So will es das Gesetz.

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500 Miles

But I would walk 500 miles
And I would walk 500 more
Just to be the man who walks a thousand miles…

Die einen laufen 500 Meilen, die anderen schwimmen 500 Kilometer.
Das ist nicht das Selbe. Schwimmen und Laufen sind bekanntlich völlig unterschiedliche Bewegungs- und Sportarten. Und 500 Meilen wären 804,672 Kilometer. Oder andersherum gerechnet: 500 Kilometer bringen es nur auf 310,686 Meilen. Die aber bin ich seit Anfang des Jahres geschwommen und ich bin sehr zufrieden mit mir.r-schmodder05

Ein guter Jesuit könnte jetzt natürlich argumentieren, dass ein geschwommener Kilometer etwa dem 8-11fachen des gelaufenen entspricht. Zumindest, wenn man beides direkt miteinander vergleicht. Als Beweis zöge er den Triathlon heran, bei denen die Schwimmstrecke grob gerechnet ein Achtel bis Elftel der Laufstrecke ausmacht.  Iron-Männer müssen bei der Langdistanz zum Beispiel nur 3,86 Kilometer schwimmen, aber knapp elfmal soweit laufen, nämlich 42,2 Kilometer. So gesehen wären entsprächen 500 geschwommene Kilometer etwa 2.796 gelaufenen Meilen. So gefällt mir das.
Und warum erzähle ich das eigentlich?

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Bahn frei für die drei Muskeltiere

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Musketiere – das Original

Um es gleich vorweg zu sagen: Das „l“ im Wort Muskeltiere steht dort mit Absicht. Als Kind hatte ich eine Abenteuerschallplatte mit der Geschichte der Musketiere und habe das „l“ immer mitgehört, was letztlich dazu geführt hat, dass ich von den Muskeltieren Athos, Porthos und Aramis erzählt habe: Allgemeines Gelächter allüberall und ich stand wieder einmal da wie blöd. Ich wusste nicht mal, warum die alle über mich lachen…

An dieser Stelle aber passt es ganz gut, das Wort aus der Versenkung meiner Kindheit zu holen. Denn nach absolviertem Schwimm beobachte ich drei Krauler, die sich nach und nach die Sportbahn erobern. Es herrscht Hochbetrieb, die letzten Feierabendschwimmer sind aus ihren Büros herausgequollen. Acht Menschen ziehen unermüdlich ihre Kreise, das Tempo der Schwimmer ist relativ ähnlich, daher geht es trotz der Fülle einigermaßen entspannt und friedlich zu. Schwimmen und schwimmen lassen – überholen und überholen lassen. Das funktioniert bestens, trotz der Enge.

Doch dann kommen die drei Muskeltiere: Durchtrainiert, markig und aufmerksamkeitsheischend stehen sie am Beckenrand bevor auch sie sich auf die Sportbahn begeben. Sie alle tragen Badekappen mit Aufdrucken diverser Triathlonveranstaltungen, auf den Kappen prangen handgeschriebene Nummern – das weist die als Teilnehmer dieser Veranstaltungen aus. Und das wollen sie auch in der Halle gewürdigt wissen. Weiterlesen


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Gastbeitrag: Als Rollstuhlfahrerin im Schwimmbad

Von Dagmar Reger

„Großer Geist, bewahre mich davor, über einen Menschen zu urteilen,
ehe ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bin.“

Dieses alte indianische Sprichwort haben wir sicher alle schon einmal gehört und viele bestimmt auch genutzt, aber es ist manchmal gar nicht so einfach, sich auf „die andere Seite“ zu begeben.
Seit einem Unfall 1993 bin ich gehbehindert, bisher bewegte ich mich aber mit Unterarmgehstützen (oder eben „Krücken“). Niemand schaut einen anderen komisch an, weil er diese Gehhilfen benutzt, denn meist ist das ja nur Folge eines Missgeschicks, jeder hatte das schon mal, alles bestens für den Normalbürger. Mittlerweile bin ich auf den Rollstuhl angewiesen und meine Welt hat sich extrem verändert!

Ich könnte nun lange darüber schreiben, wie es ist, wenn Menschen plötzlich nicht mehr mit mir, sondern nur noch über mich reden, wie es sich anfühlt, wenn man im Geschäft vom hilfreichen (und sehr laut und langsam sprechenden) Verkäufer nicht mehr selbst nach der gewünschten Kleider- oder Schuhgröße gefragt wird, sondern der hinter dem Rolli stehende Ehemann, aber heute will ich mich nur einem Thema widmen – dem Besuch im Schwimmbad.

 

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