Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…


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Gastbeitrag: Als Rollstuhlfahrerin im Schwimmbad

Von Dagmar Reger

„Großer Geist, bewahre mich davor, über einen Menschen zu urteilen,
ehe ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bin.“

Dieses alte indianische Sprichwort haben wir sicher alle schon einmal gehört und viele bestimmt auch genutzt, aber es ist manchmal gar nicht so einfach, sich auf „die andere Seite“ zu begeben.
Seit einem Unfall 1993 bin ich gehbehindert, bisher bewegte ich mich aber mit Unterarmgehstützen (oder eben „Krücken“). Niemand schaut einen anderen komisch an, weil er diese Gehhilfen benutzt, denn meist ist das ja nur Folge eines Missgeschicks, jeder hatte das schon mal, alles bestens für den Normalbürger. Mittlerweile bin ich auf den Rollstuhl angewiesen und meine Welt hat sich extrem verändert!

Ich könnte nun lange darüber schreiben, wie es ist, wenn Menschen plötzlich nicht mehr mit mir, sondern nur noch über mich reden, wie es sich anfühlt, wenn man im Geschäft vom hilfreichen (und sehr laut und langsam sprechenden) Verkäufer nicht mehr selbst nach der gewünschten Kleider- oder Schuhgröße gefragt wird, sondern der hinter dem Rolli stehende Ehemann, aber heute will ich mich nur einem Thema widmen – dem Besuch im Schwimmbad.

 

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Blogparade: ‚Als ich zehn war‘: Große Klappe, nichts dahinter

alsichzehnwar-logoIn meinem „Hauptblog“ veranstalte ich zur Zeit eine Blogparade unter dem Titel „Als ich zehn war“.
Worum es geht, lesen Sie hier, wer bereits mitgemacht und etwas veröffentlicht hat, finden Sie hier.

Ehrensache, dass ich in meinen eigenen Blogs an meiner eigenen Blogparade teilnehme. Hier also zweite Beitrag, nachdem im Zwetschgenmannblog bereits einer erschienen ist. Übrigens: Sollte ich jemals auf die Idee kommen, aus diesem Blog ein Buch übers Schwimmen, also über mein Schwimmen, zu veröffentlichen, dann muss ich natürlich auch einen Blick zurück in graue Vorzeiten werfen… in die Zeit, in der ich nur ungern schwimmen gegangen bin. Damals, als ich zehn war.

Nicht, dass ich als Kind besonders wasserscheu gewesen wäre… Ich konnte halt nur nicht schwimmen. Lange nicht. Und außerdem war das Wasser im Hohenlimburger Hallenbad, von dem hier bereits die Rede war, viel zu kalt, da drückte ich mich lieber unter der Dusche oder auf der gewärmten Bank herum. Kommen wir aber zu der Episode, die es zu erzählen gilt und die dereinst vielleicht in einem Buch stehen wird:

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Zur Not evakuieren…

Als ich vor zwei Wochen meinen Blogparadenbeitrag über Leidenschaft geschrieben habe, musste ich ein wenig in meinem Foto-Archiv rumkramen, um einige geeignete Bilder zu finden. Nachdem der Beitrag dann via Facebook und Twitter in die sozialen Medien geschleudert wurde (was WordPress dankenswerterweise völlig automatisch macht), erreichte mich dort eine Frage der von mir sehr geschätzten Anna Krämer:

frage-anna

Anna schwimmt leidenschaftlich gern, noch dazu öfter und weiter als ich. Sie hat die Straße von Gibraltar durchschwommen, was mir Respekt abverlangt und bloggt gelegentlich,  was sie noch sympathischer macht. Bloggen aber tut sie leider viel zu selten, was dann wieder kleine Abzüge in meiner Gesamthuldigung zur Folge hat. Das nur nebenbei.
Mit ihrer Frage spielte sie auf ein Bild an, das ich zur Beantwortung ihrer Frage gern noch einmal zeige:r-bye-halle3

 

Um Antwort zu geben, muss ich etwas ausholen. Weiterlesen


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Nobody is perfect…

Es gibt Tage, da läuft’s nicht so – da schwimmt es sich nicht mal gut.
Dabei sind heute die Voraussetzungen mehr als optimal. Unerklärlich für den Schwimmmeister und für mich herrscht gähnende Leere im Hallenbad.
„Dabei sind doch Ferien“, sinniere ich. „Und dann so leer? Man sollte doch meinen, dass es dann gerade voll ist.“
„Das ist nur in den Weihnachtsferien so. Ostern ist es immer schon relativ ruhig“, klärt er mich auf. „Aber so ruhig wie heute, das ist schon ungewöhnlich.“
Nun ist es nicht so, dass ich mich nach dichtem Gedränge im Schwimmbad sehne. Wenn man jahrelang darüber bloggt, wie schön es ist, wenn man eine freie Bahn hat und es draußen in den Seen ohnehin viel schöner ist, weil man nicht permanent jemandem ausweichen muss, dann ist das schon einigermaßen paradox, sich über die Leere zu beschweren.
Aber das tue ich auch nicht. Im Gegenteil. Die Gunst der Stunde zu nutzen, ist mein Plan.r-dscf0702
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Weil etwas in der Zeitung steht…

… muss es deshalb lange noch nicht wahr sein. Gelogen aber auch nicht. Hier ein Beweis:

Seit etwa zwei Wochen steht in meinem Schwimmbad in Erding ein Kundenstopper im Eingangsbereich. Mit diesem werden die Schwimmbadbesucher darauf hingewiesen, dass am Samstag, den 20.02.2016 das Hallenbad wegen einer Veranstaltung geschlossen ist. Man bitte um unser Verständnis und das sei auch gerne gewährt.
Die Stadtwerke als Betreiber des Bades möchten nun sicherstellent, dass das auch wirklich jeder mitbekommen wird. Also schicken sie eine Meldung an die lokale Presse. Das ist nicht weiter ungewöhnlich, so etwas kommt dauernd vor. Zigmal am Tag. Für für einen Lokalredakteur sollte es keine unüberwindbare Aufgabe sein, die Meldung nach Leserrelevanz zu ordnen und zumindest die wirklich wichtigen ins Blatt zu heben. Und zwar so, dass sie ihre Relevanz behalten – an sich keine große Kunst. Kann aber wohl nicht jeder, die wunderbare Stilblütensammlung Perlen des Lokaljournalismus gibt ein beredtes Zeugnis davon.

Nachdem ich also heute (Freitag, 19.02.2016) entspannt 3.ooo Meter unter abklingendem Husten geschwommen bin und mich zweimal mit Eukalyptus-Minze habe bedampfen lassen (beim zweiten Gang herrst qualvolle Enge im Schwitzkastl), experimentiere ich ein wenig mit der Kamera herum, natürlich so, dass es weder jemanden stört noch überhaupt es von jemandem wahrgenommen wird. Man toleriert zwar die eine oder andere Handy-Fotoorgie, wenn Junior um ersten Ml vom Einmeterbrett springt. Aber man muss ja die Grenzen der Toleranz nicht ausreizen. Weiterlesen


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Willkommen im Schilderwald

StartblockSind wir ein Land regelwütiger Fanatiker, die überall, wo es nur geht, Verbots- und Ordnungshinweise anbringen?
Manchmal kommt mir das fast so vor… auch in dem von mir bevorzugt besuchtem Schwimmbad. Hier ein Gesperrt-Schild auf dem Startblock, dort eines auf dem Ein-Meterbrett. Während letzteres fallweise vom Schwimmmeister bei Bedarf entfernt wird und selbiger die Springer beobachtet, ist die Nutzung der Startblöcke ganz offensichtlich immer verboten. Zumindest, wenn regulärer Badebetrieb herrscht. Auch das Springen vom Beckenrand ist verboten.
„Ja, das wäre schon sinnvoll“, könnte jetzt jemand einwerfen. „Ich möchte nicht wissen, wie viele Unfälle es zumindest im normalen Badebetrieb verhindert, nur weil nicht irgendwer irgendwem, in den Nacken springt, weil irgendwer genau dann ins Wasser springt, wen irgendwer anderes just an dieser Stelle am Beckenrand gerade seine Wende macht.“ Da muss ich natürlich zustimmen.
Allerdings – so frage ich mich angesichts diverser Diskussionen, die immer wieder in der berühmt berüchtigten Facebook-Gruppe Bist Du heute schon geschwommen geführt wurden und werden – ob nicht so manches Schild den mentalen Zustand der Badegäste, mit denen wir unser Schwimmbad teilen, wunderbar beschreibt. Gedanken- oder Rücksichtslosigkeit? Oder vollflächige Verblödung. Man weiß es nicht, wann, wo und vor allem warum manche Menschen das Denken einfach eingestellt haben. Weiterlesen


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Er und Sie – ein Einakter

Sonntags, im Hallenbad.
Irgendwann, etwa auf der 15. oder 16. Bahn, kommt eine Gruppe winzig kleiner Männer anmarschiert. Sie schleppen Stühle herbei und bauen sie in Reihen auf. Andere errichten davor ein Podest, vor dem sie einen Vorhang aufbauen. Und schon ist mitten in meinem Kopf ein kleines Theater entstanden. Denn Theater wird es gleich auch hier af der Sportbahn geben. Das sehe ich schon im Ansatz und überlege, dem Ganzen etwas Dramatisches zu verleihen.

Also verfasse ich einen kleinen Einakter.

Die handelnden Personen:

Erzähler

Er
Ende 20 bis Anfang 30. Typ Triathlet. Durchtrainiert, braungebrannte Haut (Solarium), tätowiert. Trägt Schwimmbrille, schwarzen Jammer, krault extrem schnell, benutzt wie ich Arena Vortex Hand Paddles und einen gelben Pullkick.

Sie
Mutter, Anfang bis Mitte 40, hellblauer Badeanzug mit Blumenmuster, dunkle Haare, blasse Haut, Typ altgebärend, Beschützerinstinkt deutlich ausgeprägt. Zugleich eine Rüpelmutter*.

Kind, weitere Schwimmer

Vorhang auf

Erzähler: Acht Schwimmer unterschiedlichen Tempos tummeln sich auf der Sportbahn. Man schwimmt im Kreis, überholt sich, lässt die schnelleren vorbei, in dem man am Beckenrand wartet, alles ist einigermaßen friedlich. Selbst der nette distinguierte Herr, der angestrengt eine Bahn Brust und eine Bahn Rücken (Beinschlag ohne Armeinsatz) schwimmt, wird toleriert. Irgendwie passt er immer die Lücken ab, irgendwie schafft er es über eine Stunde lang, keine Schwimmer auszubremsen. Und irgendwie schafft er es, dass in der ganzen Zeit kein einziger Wassertropfen seine Brille mit Goldrand benetzt.
Der neuhinzugekommene Sportschwimmer (im Folgenden Er genannt) gibt Vollgas. Alle lassen ihn vorbei. Immer wieder. Entweder sie spüren ihn im Nacken und drängen sich zur Seite, dass er zügig überholt, oder sie halten einen kurzen Moment am Beckenrand an. Dann zieht er mir Rollwende und schnellem Zug vorbei. Doch dann kommt sie (Betonung auf Sie).

Auftritt Sie  Weiterlesen


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Fahrradfunde

Vor dem Erdinger Schwimmbad, das zu besuchen ich nicht müde werde, liegt seit Monaten ein altes, totes Fahrrad. Das Wertvollste am Ensemble dürfte mittlerweile das Schloss sein, mit dem es an dem Ständer befestigt wurde. Irgendjemand also hat seinen alten blauen Drahtesel dort geparkt und gesichert, dass es ihm nicht nachlaufen konnte, als er es zurückließ und ging.
Wochen später fiel das Rad vermutlich vor lauter Schwäche und angeblasen von einem der Sturmtiefs im Herbst um. Und so lag es nun auf der Seite und rostete seinem traurigen Schicksal entgegen: Dem Radltod.

Drama in der Stadt

Drama in der Stadt

Aber muss das sein? Jedes ausgesetze Rad ist eines zu viel.

Weiterlesen könnt Ihr diesen herzergreifenden Beitrag in meinem anderen Blog