Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…


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Es geht – wie immer – um alles. Also um die Wurst

Ausschnitt aus einem künftigen Klassiker des 21. Jahrhunderts, der erst noch geschrieben werden muss: Einer Wassermann-Biographie.

Halbwegs zufrieden lehnte er sich im Sitz seines Autos zurück. Alles, was er heute noch machen musste, war heimzufahren. Das Tagwerk war verrichtet und endlich hatte er es auch mal wieder ins Wasser geschafft. Endlich. Zu oft hatte er dem Schwimmen das schnöselige Skifahren oder das nicht weniger schnöde Spazierengehen vorgezogen. Damit war jetzt Schluss. Er musste wieder ins Wasser, sonst würde er sein Jahressoll niemals erreichen. Vier Kilometer würde er an diesem Abend in seine Exceltabelle eintragen können. Wenigstens etwas.
Zu mehr reichte die Motivation nicht. Obwohl es sich zum Ende im Schwimmbad deutlich geleert hatte, war es ihm zwischendurch zu voll geworden. Nicht, dass er zu den schnellsten auf der Bahn gehörte. Aber auch nicht zu den langsamsten. Und so war es ein fortgesetztes Spiel aus Überholen und Überholtwerden, dessen Regeln wohl nicht alle Teilnehmer zu begreifen schienen. Die Dummheit und Ignoranz anderer Menschen konnten ihm regelrecht Schmerzen bereiten – nicht nur bei den Zusammenstößen am Beckenende, weil die Dilettanten nicht mal die simpelsten Regeln des Überholens oder Überholenlassens kannten.
Allein die Existenz anderer Menschen, so beschied er wieder einmal, konnte unglaublich störend sein.16487236_10206805877820315_6539683055264060235_o

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Lyrik auf der Sportbahn

Es gibt wenig, was so erschütternd ist wie Zeilen von Amateur-Dichtern, die sich noch dazu krampfhaft bemühen, humorvoll zu sein. Sie tragen ihre Reime auf Geburtstagen, Jubiläen, Familienfesten und Vereinsfeiern vor – die Zuhörer schütteln sich innerlich vor Grausen, bewahren aber Haltung und spendieren  gelegentlich ein mildes Lächeln. Jeder wartet auf den Tusch, wie man ihn von Karnevalsveranstaltungen kennt. Denn dort ist es genauso. Erzwungene Endreime, asymmetrisches Versmaß mit mal zu vielen, mal zu wenig Silben. Und jeder sehnt ein Ende herbei. Gut gewollt heißt eben nicht gut gekonnt. Und die scheinbare Leichtigkeit wirklich guter Lyriker ist vermutlich harter Arbeit entsprungen.

Gelegentlich quäle ich die Facebook-Gruppe Bist Du heute schon geschwommen nach meinem Schwimmen mit selbstgeschmiedeten Versen, wie es in VHS-Kursen und unter Zuhilfenahme grober Werkzeuge (z.B. Brechstangen) nicht erbärmlicher gereimt werden könnte – und mit allergrößter Unverfrorenheit auch noch in einer Mundart, die nicht mal die meine ist.
Vom ersten Meter auf der Bahn bis zum letzten zermartere ich mir mein Hirn, was sich auf „schwimmen“, „Bahn“, „Strecke“, „Spind“ alles reimen könnte, oder auf „Beckenrand“ und „Beinschlag“. Ich zimmere Limericks zusammen, von denen ich erst mal hätte googeln sollen, wie das Versmaß ist, begehe ein abscheuliches Verbrechen an der Gattung Sonett und sorge dafür, dass alle, die sich ernsthaft um Poesie bemüht haben, im Grabe rotieren , so sie nicht mehr unter den Lebenden weilen – denen dreht sich vermutlich erst das Auge nach innen und dann der Magen nach außen. Weiterlesen


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Das junge Glück… kann ganz schön nerven

Sie sind jung und lieben sich – wie schön.
Aber können sie ihrer Liebe nicht an anderer Stelle Ausdruck verleihen als ausgerechnet auf der Sportbahn im Schwimmbad?44514902

Ich habe nichts gegen das junge Glück. Aber ich fühle mich belästigt und gestört. Das gebe ich offen zu. Das an sich ist nichts Ungewöhnliches. Ich fühle mich fortgesetzt durch andere Menschen belästigt und gestört. Es gibt nun mal einfach zu viele davon. Vor allem in den Schwimmbädern. Längst habe ich meine Feindbilder ausgemacht und katalogisiert. Das Spektrum reiht von Dienstags-Arschlöchern über Moderlieschen zu Kalle und Opa Kruse.
Nicht zu vergessen die Taumelkäfer und Muskeltiere.

Es wird Zeit diesem Panoptikum der Störenfriede ein weiteres Ärgernis hinzuzufügen: Das junge Glück…
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Bahn frei für die drei Muskeltiere

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Musketiere – das Original

Um es gleich vorweg zu sagen: Das „l“ im Wort Muskeltiere steht dort mit Absicht. Als Kind hatte ich eine Abenteuerschallplatte mit der Geschichte der Musketiere und habe das „l“ immer mitgehört, was letztlich dazu geführt hat, dass ich von den Muskeltieren Athos, Porthos und Aramis erzählt habe: Allgemeines Gelächter allüberall und ich stand wieder einmal da wie blöd. Ich wusste nicht mal, warum die alle über mich lachen…

An dieser Stelle aber passt es ganz gut, das Wort aus der Versenkung meiner Kindheit zu holen. Denn nach absolviertem Schwimm beobachte ich drei Krauler, die sich nach und nach die Sportbahn erobern. Es herrscht Hochbetrieb, die letzten Feierabendschwimmer sind aus ihren Büros herausgequollen. Acht Menschen ziehen unermüdlich ihre Kreise, das Tempo der Schwimmer ist relativ ähnlich, daher geht es trotz der Fülle einigermaßen entspannt und friedlich zu. Schwimmen und schwimmen lassen – überholen und überholen lassen. Das funktioniert bestens, trotz der Enge.

Doch dann kommen die drei Muskeltiere: Durchtrainiert, markig und aufmerksamkeitsheischend stehen sie am Beckenrand bevor auch sie sich auf die Sportbahn begeben. Sie alle tragen Badekappen mit Aufdrucken diverser Triathlonveranstaltungen, auf den Kappen prangen handgeschriebene Nummern – das weist die als Teilnehmer dieser Veranstaltungen aus. Und das wollen sie auch in der Halle gewürdigt wissen. Weiterlesen


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Er und Sie – ein Einakter

Sonntags, im Hallenbad.
Irgendwann, etwa auf der 15. oder 16. Bahn, kommt eine Gruppe winzig kleiner Männer anmarschiert. Sie schleppen Stühle herbei und bauen sie in Reihen auf. Andere errichten davor ein Podest, vor dem sie einen Vorhang aufbauen. Und schon ist mitten in meinem Kopf ein kleines Theater entstanden. Denn Theater wird es gleich auch hier af der Sportbahn geben. Das sehe ich schon im Ansatz und überlege, dem Ganzen etwas Dramatisches zu verleihen.

Also verfasse ich einen kleinen Einakter.

Die handelnden Personen:

Erzähler

Er
Ende 20 bis Anfang 30. Typ Triathlet. Durchtrainiert, braungebrannte Haut (Solarium), tätowiert. Trägt Schwimmbrille, schwarzen Jammer, krault extrem schnell, benutzt wie ich Arena Vortex Hand Paddles und einen gelben Pullkick.

Sie
Mutter, Anfang bis Mitte 40, hellblauer Badeanzug mit Blumenmuster, dunkle Haare, blasse Haut, Typ altgebärend, Beschützerinstinkt deutlich ausgeprägt. Zugleich eine Rüpelmutter*.

Kind, weitere Schwimmer

Vorhang auf

Erzähler: Acht Schwimmer unterschiedlichen Tempos tummeln sich auf der Sportbahn. Man schwimmt im Kreis, überholt sich, lässt die schnelleren vorbei, in dem man am Beckenrand wartet, alles ist einigermaßen friedlich. Selbst der nette distinguierte Herr, der angestrengt eine Bahn Brust und eine Bahn Rücken (Beinschlag ohne Armeinsatz) schwimmt, wird toleriert. Irgendwie passt er immer die Lücken ab, irgendwie schafft er es über eine Stunde lang, keine Schwimmer auszubremsen. Und irgendwie schafft er es, dass in der ganzen Zeit kein einziger Wassertropfen seine Brille mit Goldrand benetzt.
Der neuhinzugekommene Sportschwimmer (im Folgenden Er genannt) gibt Vollgas. Alle lassen ihn vorbei. Immer wieder. Entweder sie spüren ihn im Nacken und drängen sich zur Seite, dass er zügig überholt, oder sie halten einen kurzen Moment am Beckenrand an. Dann zieht er mir Rollwende und schnellem Zug vorbei. Doch dann kommt sie (Betonung auf Sie).

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Männer sind so – Teil 4

So sind sie, die Männer, wie in Teil 1,  Teil 2  und Teil 3 bereits skizziert. Es gibt noch mehr zum Thema und ich maße mir an, kompetent darüber zu schreiben – aus persönlicher Betroffenheit. Ich weiß, wie Männer sind, ich bin selbst einer. Hier also ein weiteres Beispiel typisch männlichen Schwimmbadverhaltens:

Ein wenig verwundert bin ich, dass auf der für Sportler abgetrennten Bahn Hochbetrieb herrscht, als ich an einem Mittwoch spätnachmittags im Markt Schwabener Schwimmbad ankomme. Das ist normalerweise nicht die Zeit, in der sich die Massen im Becken und somit aneinander vorbei quetschen.
Ich mag die Fülle nicht. Wer mag so etwas schon, aber sei’s drum – jetzt bin ich nun mal da, also los.
Es dauert auch nicht lange, da ziehen sich ein paar Schwimmer von der Sportbahn zurück. Zwei geben genervt auf, weil ein anderer Mann nicht nur rücksichtslos mittig auf der Bahn schwimmt und niemanden vorbei lässt, sondern auch noch wüste Beschimpfungen ausstößt, wenn man ihn trotzdem überholt.
„Der meint wohl“, so kommentiert einer der beiden bei einer Pause am Beckenrand, „ihm gehöre das Schwimmbad.“
„Oh ja“, bestätige ich und ergänze, dass er es sogar absichtlich so einrichtet, andere auszubremsen und nicht vorbeizulassen.
„Unfassbar, da kann man echt die Lust verlieren…“ erwidert mein Gesprächspartner. „Der legt’s echt drauf an und vergrault alle auf der Bahn.“ Ich nicke ihm bestätigend zu. Der andere stemmt sich hoch, verlässt das Schwimmbecken, schnappt sich seine Paddle und sein Pullbuoy, verabschiedet sich mit einem ironischen  „Viel Spaß dann noch…“ und geht.
Ich starte wieder und wundere mich, dass man neuerdings nicht nur dienstags im Schwimmbad auf Arschlöcher trifft. Jetzt also auch Mittwochs. Das kenne ich noch gar nicht. Aber vertreiben lassen werde ich mich nicht.
Wozu fährt man jahrelang Auto und ist erfahrener Skiliftschlangensteher? Es gibt eine Menge Strategien, andere Menschen, die einem vorsätzlich die Bahn versperren, erst sanft und dann immer deutlicher auf die Pelle zu rücken. Wenn der mich nicht überholen lassen will, dann kollidieren wir eben. Stur sein kann ich. Männer sind so. Aber ich will hier nicht schon wieder über diese lästigen Bahnblockierer nörgeln. Das wird ja auf die Dauer auch langweilig…

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Rentnerparanoia? Ich doch nicht!

Wie machen die das?

Ich frage mich ernsthaft, wie die Rentner, die sonst so bedachtsam und fast schon tüdelig einen Fuß vor den anderen setzen, das schaffen…
Nicht, dass ich etwas gegen ihre entschleunigte Lebensweise hätte. Ich warte geduldig an der Bedientheke im Supermarkt oder beim Bäcker, bis die älteren Herrschaften alles beisammen haben, ihr Pläuschchen gehalten haben, das Kleingeld aus dem Potemonaie popeln und von dannen zuckeln. In meinem anderen Blog konnten Sie davon in dem Beitrag Nett mit Mett lesen. Aber über das Folgende wundere ich mich und frage mich: Wie machen die das?

Als ich an einem Mittwoch kaum sieben Minuten nach Kassenöffnung (8 Uhr) in Erding im Schwimmbad stehe, bin ich allein.
„Schön“, so denke ich. „So muss das sein. Das wird bestimmt ein netter Schwimmvormittag.“ Es ist das erste Mal, dass ich den Luxus genieße, an einem Mittwoch morgens schwimmen zu gehen. Gearbeitet wird später…
Gähnende Leere im Umkleidebereich, Spind 157 ist natürlich frei, wie auch alle anderen, kein Mensch unter der Dusche – aber in der Halle trifft mich der Schlag. Ein knappes Dutzend Rentner ist bereits im Wasser und schwimmt seine Bahnen. Ungläubiges Staunen:
Wie machen die das?
Übernachten die in Schlafsäcken vor der Kasse, damit sie morgens gleich hineinhuschen können?
Facebookfreunde, die ich mit der Frage konfrontiere, berichten von gleichen Erfahrungen. „Ungeduschte Anreise im Bademantel“ und „Senile Bettflucht“ werden mir als Erklärung angeboten. Ich grüble immer noch. Wie schaffen die es, sich in wenigen Minuten aus ihrer Garderobe zu schälen und ins Wasser zu gelangen?
Haben Sie mal hinter einem Rentner in der Anprobe eines Textilgeschäfts gewartet? Dann wissen Sie, was ich meine…
Der Vorsprung kommt wohl wirklich nur zustande, weil die Leutchen bereits in Badeklamotten unter ihrer regulären Garderobe zum Schwimmbad fahren und ungeduscht ins Wasser steigen (Wääähh!). Schwimmbad fahren. Weiterlesen


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Mann, war ich schlecht

Dieses Zitat, dass ich auf Twitter gefunden habe, habe ich mir aufgehoben. Weil es so schön weh tut:

quote

Nun ist der Autor Demeter Oliver Dick nicht nur ein routinierter Triathlet und Blogger, den ich sehr gern lese, er ist auch Einiges jünger als ich, verbringt wesentlich mehr Zeit mit Sport und Training und ist überhaupt deutlich ambitionierter. Mir geht es – so steht es hier unter Herzlich Willkommen: nicht um Profisport, Trainingstipps, Triathlon-Ambitionen. Es geht nur um mich, um meinen ganz persönlichen Spaß an der Sache. Es geht um puren Freizeitsport, der nur den Ambitionen folgt: Fun, Fit werden, Fett weg.
Und noch weniger geht es darum, meine Zeiten mit anderen zu vergleichen. Doch bekanntlich ist alle Theorie grau. Will sagen: Natürlich achte auch ich ein wenig auf die Uhr. Entweder, wenn ich auf Strecke schwimme, oder wenn ich auf Zeit schwimme, zähle ich, wie weit ich innerhalb eines vorher festgelegten Zeitrahmens komme. Eine Stunde – wie viele Bahnen?
Lese ich dann immer wieder mal solche Anmerkungen auf Twitter, dann tut es so richtig schön weh. Und das hebt nicht gerade meinen Gemütszustand.

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